Weihnachten in Moskau: mit Kitsch und ohne Schnee

Es heißt immer „Moskau schläft nie“. Nachdem ich aber die letzten Wochen hier in Moskau erlebt habe, kann ich sagen, Moskau schläft – und zwar von 1. bis vermutlich 10. Jänner. Keine übervolle Metro, kein übermäßiger Verkehr – Ruhe pur für Moskauer Verhältnisse.

Wir sind nach Russland gekommen mit den Erwartungen: Winterchaos und Kälte. Am Weihnachtsabend war davon aber nur wenig zu spüren. Schnee gab es maximal auf Bildern oder in russischen Weihnachtsfilmen; noch wenige Tage vor Weihnachten konnte ich sogar meinen Wintermantel für kurze Spaziergänge im Zimmer lassen und die Herbstjacke auspacken.

Wie aber war der Heilige Abend abseits von Familie und der geliebten Weihnachtsgans? Bis zum späten Nachmittag drehte sich alles in meinem Kopf hauptsächlich darum: Was passiert zu Hause wohl gerade? Liegen gerade alle in meinem Bett und schauen tschechische Weihnachtsmärchen? Hat die Mama die Weihnachtsgans schon in den Ofen geschoben? (Den Duft, der da im ganzen Haus aufzufinden ist, konnte ich mir nur aus meiner Erinnerung abrufen)
Mit Freunden aus Russland und anderen Internationals hatten wir uns zum Abendessen in einem Restaurant verabredet. Dass italienisches Essen so fürchterlich an einem heiligen Abend sein würde, konnte ich mir anfangs noch gar nicht vorstellen. Per Video alles zu sehen, wie es zu Hause gerade abläuft und selbst nicht dabei zu sein, war wirklich eine ziemliche Überwindung. Eben diese Tage rund um Weihnachten waren zwar auch in Russland ganz nett, aber da Russland Weihnachten erst am 7. Jänner feiert, und Silvester der Tag ist, der den Feierlichkeiten von unserem Weihnachten entspricht, war von Weihnachtsstimmung nicht wirklich etwas zu erkennen.
Feierlichkeiten – natürlich. Weihnachten – keine Spur.
Eben diese Tage rund um Weihnachten waren eine große Herausforderung, weil man doch selbst dabei sein möchte, und sich nicht nur am anderen Ende des Whatsapp-Chats befinden möchte.

Aber weil die Uhr ja nicht stehen bleibt, ist auch diese Zeit vergangen und das neue Jahr gekommen. Mit meinem Besuch aus Österreich habe ich vor dem Kreml in ein neues, abenteuerliches sowie erfreuliches Jahr 2016 gefeiert.

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An alle zu Hause in Österreich, und an alle, die rund um den Globus verstreut leben – ein frohes neues Jahr! Darauf, dass wir im neuen Jahr weiter an unseren Herausforderungen wachsen, und nicht mit dem Strom schwimmen, nur weil es leichter ist. Darauf, dass das neue Jahr Veränderungen bringt, und wir lernen mit ihnen umzugehen. Darauf, dass wir im neuen Jahr das schätzen lernen, was wir haben und können, und nicht am Neid gegenüber Nichtigkeiten zu Grunde gehen.
Darauf, dass wir im neuen Jahr einzigartige Erfahrungen machen, die uns prägen und vielleicht auch verändern. Denn Veränderung kann auch toll sein. 🙂

Bis bald,

пока, пока друзья!

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Moskau: Alltag in Bildern

Viele Dinge kann man sich alleine durch Erzählungen nicht vorstellen. Ein Beispiel: Im Erdgeschoss gibt es eine Waschmaschine, die alle Austauschstudenten benutzen können. Damit alles geregelt abläuft gibt es eine Liste, in die sich jeder eintragen muss. Jeden Tag gibt es von 15.00-21.00 jede Stunde einen Termin. Diese Liste sieht folgendermaßen aus:

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Mit Bleistift muss Name, Zimmernummer und Stockwerk eingetragen werden

Grundsätzlich dürfte sich jeder Student max. 1x pro Woche einen Termin aussuchen. Da aber für etwa 70+ Studenten nur EINE Waschmaschine zur Verfügung steht, darf man sich glücklich schätzen innerhalb von 3 Wochen einen Termin zu ergattern. So habe ich zum Beispiel das letzte Mal am 7. November gewaschen, dazwischen sind über 3 Wochen (inkl. 1 Woche Sochi) vergangen. Wenn also zu viel Wäsche zu waschen ist und man keinen Waschtermin in absehbarer Zeit eingetragen hat, dann läuft das anders – und zwar so:

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Plastikschüssel + heißes Wasser + Waschmittel = Ines wäscht selbst

Natürlich läuft nicht alles so wie man es gewohnt ist. Aber manche Gewohnheiten behält man dann doch – Schnitzel mit Kartoffelsalat. 🙂 Für ein paar Freunde (Internationals sowie Russen) hab ich schon Schnitzel gekocht – ein russischer Freund fragt mich oft wieder zu kochen, jedoch vorrangig den Kartoffelsalat (keine Ahnung was an den Schnitzerl schlecht sein soll haha? oder vielleicht kennt man hier den Kartoffelsalat einfach nicht, keine Ahnung(: )

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Österreich in Russland – Schnitzerl mit Kartoffelsalat
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Palatschinken, oder wie die Russen sagen: „Blinis“

Damit wir uns aber nicht nur der Heimat zuwenden, sondern auch unseres gegenwärtigen Aufenthaltsortes bewusst sind, kommen wir auch hin und wieder in den Genuss des glasklaren ‚Elexirs‘ und erheben die russische Fahne (:

 

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Möglichkeit 1, die russische Fahne aus Kleidungsstücken nachzubasteln.

Wo wir schon bei der russischen Nationalität angekommen sind: Putin ist ein Gott. Zumindest wenn man den Souvenirs glaubt. Wenn es von unserem Herrn Heinz nur annähernd so viele Souvenirs geben würde, dann würden wir alle schon mit Monobrauen-Schlüsselanhänger herumlaufen. Ein Herr Fischer auf dem Bären (wie Putin im Foto rechts unten) wäre mindestens so ein Verkaufsschlager wie der starke Vladimir oben ohne auf dem Kaffeehäferl im rechten Bild (ich meine, was sieht man morgens beim Frühstück lieber? ) Und ja, das ist Sarkasmus, ihr lieben! (Wehe einer glaubt mir das auch noch, dann kennt ihr mich schlecht)

Russland ist eine riesengroße Stadt. Offiziell 12 Millionen Einwohner, inoffiziell 15 Millionen. Das ist beinahe doppelt so viel wie ganz Österreich Einwohner hat. Das äußert sich nicht nur in der Rush Hour (час пик) sondern auch in Form von gigantischen Straßen. Wenn man die Straßen hier gesehen hat, dann erscheint einem der Ring in Wien lediglich als Parallel- oder gar als Nebenstraße.

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Soweit das Auge reicht – Menschen. Metro zur Rush Hour… (links und rechts unten sind die Plattformen der Metro)
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Eine der vielen Hauptstraßen in Moskau. Eine Richtung – 6 Spuren. Mit kleiner Verkehrsinsel für Fußgänger beim Überqueren. (Hinter mir sind weitere 6 Spuren in die andere Richtung)

Ein anderer Ort, an dem sichtbar wird, dass Moskau einfach riesig ist, ist die Tretjakov-Galerie. Zwei Mal war ich bis jetzt schon dort, einmal bin ich auch in das Museum hineingegangen, und jedes Mal habe ich so eine lange Schlange vorgefunden. Die Liebe der Russen zum Schlangestehen ist mir schon lange aufgefallen. Sei es vor dem Autobus, vor dem Museum oder vor dem Kartenverkauf – Schlange stehen ist ein Muss. Mit der Frage „Кто последний?“ [Wer ist der letzte] erkundigen sie sich immer sehr höflich, um sich anschließend hinten anzustellen.

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Warteschlange vor der bekannten Tretjakov-Galerie

Was man in anderen Museen dann findet lässt einen wieder erstaunen. Im Museum für moderne russische Geschichte gibt es ein Buch aus: ENNS. Nicht weit von meinem Heimatort in Österreich hat der Bürgermeister der ältesten Stadt Österreichs, Enns, Herrn Michail Gorbatschow für seine Friedensbemühungen gedankt.

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Aus Österreich für Russland – Friedensbuch

Was die Religion betrifft gibt es viele sehr gläubige Menschen hier. Natürlich gibt es die bei uns in Österreich auch, aber hier rückt die Religion auch an Plätzen außerhalb der Kirche stark in den Vordergrund. Beispielsweise gibt es am Flughafen in Sochi eine eigene kleine ‚Kapelle‘, wenn man das so nennen kann. In dieser Kleinen Kapelle gibt es ein paar Ikonen, zu denen Mitglieder der orthodoxen Gemeinde beten können.

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Flughafen Sochi – Kapelle aus Glas

Wie wir wissen, lieben es die Russen auch wenn es überall glitzert und scheint – so auch am Neuen Arbat zum Beispiel (oder im Einkaufszentrum):

Es ist nicht alles alt, es ist aber auch nicht alles neu. Russland – das Land der Gegensätze.

Heute habe ich mit Bildern zurückgemeldet, da ich schon merke, dass mir selbst in meiner Muttersprache hin und wieder (vorallem im Gespräch) Wörter fehlen. Diese Worte kenne ich dann entweder auf Russisch oder auf Englisch. Und so funktioniert es in alle Richtungen – mittlerweile habe ich ein richtiges Sprachen-WirrWarr im Kopf kann man fast sagen. Ob Russisch, Englisch oder Deutsch – Sprachen sind in diesem Semester ja das Wichtigste.
Somit Baba, Bye und Пока – damit sich keine Sprache benachteiligt fühlt. (:

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anderes Land – anderes System

Monatlich den Kurs bezahlen. Wer glaubt, dass das hier einfach mal schnell mit Online-Banking in 5 Minuten erledigt ist, der liegt ziemlich daneben.
Ein kurzer Auszug aus dem Leben, wie es wirklich ist.

Einmal bezahlen, inklusive Spaziergang.
Einmal bezahlen, inklusive Spaziergang.

„Neue Facebook-Benachrichtigung“ – mit dieser Notifikation erwarte ich mir entweder Informationen über irgendwelche Veranstaltungen, likes oder Statusupdates. Eine Statusaktualisierung ist es allemal – die monatliche Erinnerung unseres Administrators ans Bezahlen.

Augenrollen, Aufseufzen – das ganze Prozedere vom Oktober schon wieder.

Der erste Weg (blau im Bild oben) führt mich vom Korpus 4 (Studentenwohnheim) in den Korpus 3. Im Büro des Administrators muss ich dann selbst zählen, wie viele Einheiten des Kurses ich im laufenden Monat besuchen werde.
Nur die Zahl die ich angebe, die muss ich auch bezahlen. Ob irgendjemand kontrollieren würde, ob ich in mehr/weniger Einheiten anwesend bin, als ich bezahle, ist fraglich. Wohl eher nicht, aber man ist ja ehrlich.

Pro Einheit (1,5h) zahle ich 1200 Rubel. Zusätzlich zum Kurspreis zahle ich noch den für die UniWien fixierten Monatspreis von 170€ für 12 Sprachkurseinheiten pro Woche. Mit dem aktuellen Wechselkurs in Rubel umgerechnet wird der Gesamtbetrag auf eine Rechnung gedruckt.
Wer jetzt denkt ich könne den Betrag einfach so via Online-Banking bequem überweisen, irrt sich gewaltig – der Bezahl-Marathon hat eben erst begonnen. Überweisen geht nicht, Bargeld wollen sie haben. Mein nächster Anhaltspunkt dieser universitären Schnitzeljagt liegt also jetzt im Korpus 1 – die Geldautomaten.


Das muss man wissen zu: Geldautomaten
Auch das Geldabheben funktioniert nicht so einfach, wie man es sich vorstellen mag. Abhängig von der zuständigen Bank können wir Beträge von maximal 6000 (86€) -10.000 Rubel (143€) abheben. Die Bankomaten an der Uni spucken in unserem Fall nur maximal 7.500 Rubel (107€) aus. Sollte man also einen größeren Betrag abheben wollen, geht das so:
Karte einziehen – 7.500 Rubel abheben (etwa 2€ Transaktions und Wechselgebühr), Karte entnehmen.
Karte einziehen – 7.500 Rubel abheben (wieder etwa 2€ Gebühr), Karte entnehmen etc.
Man sieht – ein nervenschonender (und günstiger) Prozess sieht anders aus.


Das Bargeld habe ich bei Station 2 (Korpus 1) endlich in der Hand, weiter geht’s zum Hauptgebäude (Korpus 6).
Dort gibt es ein kleines schummriges Kammerl (die universitäre Kassa) mit einem bahnhofsähnlichen Schalter, an dem man sowohl die Rechnung als auch den Geldbetrag abgeben muss. Nachdem die Angestellte ihren Kaffee fertig getrunken und sich dabei hoffentlich nicht die Finger verbrannt hat, den Plausch mit der Arbeitskollegin mit einem seufzenden „Na gut, dann halt…“ beendet und sich meiner Rechnung zugewandt hat, gibt sie mir eine Bestätigung über den Eingang der Bezahlung und schickt mich wieder auf den Weg. NEIN, wir sind noch immer nicht fertig! DENN:

Die Administration meines Fremdspracheninstitutes weiß ja noch nicht, dass ich bezahlt habe.  (Intranet, gemeinsame Server, oder wie auch immer es heißt existiert anscheinend nicht zu diesem Thema – es gibt kein Dokument über meine Bezahlung, zu dem beide Parteien Zugriff haben) Also mache ich mich wieder auf den Rückweg (rot am Bild) zum Korpus 3, um dem Administrator meine Zahlungsbestätigung zu zeigen. Er macht schlussendlich noch eine Kopie und … frei bin ich – nach einem halben Wandertag über den Campus habe ich es wieder für ein Monat hinter mich gebracht.

Bis Dezember, Bürokratie!

Sollte sich nocheinmal irgendjemand, IRGENDJEMAND, über das Univis/U-Space der UniWien beschweren, über irgendwelche Zahlungsvorgänge oder Ähnliches. Ihr seit herzlich eingeladen im Dezember die Schnitzeljagt von neuem ‚durchzuspielen‘.

Vladivostok – einmal um die halbe Welt und zurück

Ein paar Tage sind schon wieder vergangen seit meiner Rückkehr aus Vladivostok, die Eindrücke und Erinnerungen bleiben.

Schwierig ist es all die tollen Dinge in Worte zu fassen, das was ich dort erlebt und vor allem gesehen habe. Meine Fotos schaffen es nur annähernd die Stimmung festzuhalten.

Am Hinflug vom Abendrot begleitet

Die Stadt selbst, Vladivostok, kann man unter anderem als eine Mischung aus Wien und San Francisco sehen. Die Gebäude sind wirklich sehr schön, teilweise alt, teilweise sehr modern. Im Stadtzentrum gibt es keine richtig schlimmen ‚Wohnbunker‘, wie wir sie aus Moskau kennen. Eine große Menge an Bars, kleinen Cafés, Restaurants und kleinen Geschäften macht die Stadt lebendig. An das Meer rund um die Stadt sind die Bewohner schon gewöhnt, für uns war es aber etwas Außergewöhnliches, ein Kontrast zu Moskau. Am Ufer entlangzuschlendern, der Sonne beim Verschwinden hinterm Horizont zuzusehen – einfach unglaublich. Äußerst schwer hat es uns die Zeitverschiebung und der lange Flug gemacht. Mit einer Zeitverschiebung von 7h nach Moskau und einem 8 Stunden Flug sind wir nach Moskauer Zeit spät abends, nach Ortszeit aber früh morgens in Vladivostok angekommen. Niederlegen und schlafen war für uns aber absolut keine Option.

Zeitverschiebung - so a Hund

Unser erster Weg an Tag 1 im fernen Osten ging natürlich sofort ans Meer. Vom Hostel aus dürften es etwa 3 Minuten zu Fuß zum Meer sein – wir wollten aber sofort an die untere Spitze des Festlandes, zum bekannten Leuchtturm. Die vielen Eindrücke, die salzige Meerluft und die tollen Aussichten können durch die Fotos nur annähernd festgehalten werden.

so weit das Auge reicht
So weit das Auge reicht – Meer

Am Samstag, als alle vom JetLag erholt waren, haben wir eine geleitete Tour auf die Insel Russkij gemacht. Am Vorabend habe ich noch bei einem privaten Veranstalter angerufen, dessen Nummer ich im Internet gefunden habe, und diese Tour gebucht. (Auf russisch, beim ersten Anlauf, ohne Kommunikationsprobleme – check :D) Wir sechs sind gemeinsam mit unserer Gruppenleiterin Elena, die selbst auf der Insel geboren wurde, in einem alten Minibus auf die Insel gefahren (Und das, obwohl ich mir gesagt habe kleine Kastenwägen in Russland zu meiden haha). Etwa 5 Stunden lang haben wir verschiedenste Plätze auf der Insel besichtigt, Bunker besucht und russische Militärstützpunkte erkundet.
Zu diesem Zeitpunkt ist mir erstmals bewusst geworden, wie groteskt diese Dinge eigentlich sind.
Die Kanonen, überall in Vladivostok und allgemein in Russland verstreut,die vermutlich einmal Menschenleben gefordert haben, stehen einfach so im Freien herum. Menschen, auch wir, machen Fotos mit diesen Geräten – ja wir haben es gesehen, wir waren dort. Kinder setzen sich auf die Militärmaschinen, drehen sich, spielen darauf, als wäre es ein ganz normales Spielzeug. Das ist es aber nicht, es ist echt. War echt und und hat wirklich funktioniert – auch wenn man sich das in dem Moment nicht vorstellen kann und möchte.

Kinder spielen auf den Militärgeräten wie auf Spielzeugen
Kinder spielen auf den Militärgeräten wie mit Spielzeugen

Im Zentrum Vladivostoks kann man auch ein russisches U-Boot besichtigen. Im Inneren befindet sich ein zu einem Museum umgebauter Teil, der hintere Teil sieht originalgetreu aus, soweit ich das als Laie beurteilen kann.

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U-Boot

Am Weg zu der Insel Russkij haben wir von der Brücke den ganzen Hafen überblicken können. Und genau da habe ich mein erstes richtiges U-Boot gesehen. Riesengroß, schwarz und nur ein kleiner Teil davon war über Wasser zu sehen. (logisch^^) Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie mit Militärschiffen geschweige denn U-Boot-Flotten zu tun – ein Eindruck der nicht so schnell zu vergessen ist. Erst als ich die Geschosse auf dem Militärschiff mit eigenen Augen gesehen hatte, die Crew zum Sport am Landgang von Trompeten begleitet wurde, wurde mir klar, dass das kein Museum, keine Erzählung, sondern alles WIRKLICH ist. Es klingt jetzt vielleicht naiv, wenn ich sage, ich konnte mir so etwas nie vorstellen. Aber sind wir uns ehrlich – wer kann sich ein richtiges U-Boot oder ein Militärschiff vorstellen und dazu auch das eigenartige erschaudernde Gefühl fühlen, wenn er es noch nie selbst erlebt oder gesehen hat.

Ein kleiner Exkurs mit meiner persönlichen Meinung: Eben auf Grund unserer österreichischen Geschichte werden historische Punkte nicht so propagiert wie hier in Russland. Nicht nur in Vladivostok sondern in ganz Russland zeigt sich diese Propaganda auf Plakaten. Der Grund liegt darin, dass es sich dieses Jahr jährt , 2015, das Siegesjahr von 1945. Auf riesigen Plakaten ist geschrieben „Unser Sieg – 70 Jahre“, dazu abgebildet starke Soldaten der russischen Armee. Dieses Land hat eine andere Beziehung zu Krieg, zum Militär allgemein. Ich denke mir immer mehr, dass es uns in Österreich so gut geht, dass wir es kaum mehr zu schätzen wissen, dass wir in einem Land ohne Krieg leben dürfen. Wenn man in die Ukraine oder nach Syrien blickt, wo derzeit die Hölle brennt, möchte ich mir gar nicht vorstellen wie es den Menschen gehen muss, die diese Kriegsgeräte, die ich hier in Russland als „stillgelegte“ gesehen habe, live erleben müssen. Wenn ich daran denke, welch ein unangenehmes Gefühl ich schon alleine beim Anblick der erkalteten Maschinen oder der im Hafen angelegten Militärschiffe empfunden habe, ist die Realität noch unglaublicher.

Das ist eine Erfahrung die mich reicher macht, mir vielleicht andere Blickwinkel eröffnet und die ich nichtsdestotrotz auf gar keinen Fall missen möchte.

пока пока, друзья!

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„Was interessiert mich denn dieses Papierl?“- Die Wichtigkeit eines Reisepasses

Über eine Reise nach Nizhnij Novgorod, die nicht bis nach Nizhnij geführt hat , einen russischen Pel’meni-Abend, das ständige Problem à la ‚russische Remont‘ , einen ‚klitzekleinen‘ Buchkauf und einem Besuch im Gipsy-Club.

Ich melde mich zurück mit einer Menge an Erlebnissen, die ich unbedingt erzählen muss, weil einfach RUSSLAND!

Am Mittwoch letzte Woche, 16. September um genau zu sein, wollten wir zu dritt mit dem Zug nach Nizhnij Novgorod fahren. (Am Bild hier seht ihr, dass es nicht ganz so nahe ist, wie man es vermuten würde, wenn der Russe die Entfernung mit ‚ganz nahe‘ bezeichnet)

Mit dem Zug etwa 4 Stunden von Moskau nach Nizhnij. Für russische Verhältnisse ist das ja eh
Mit dem Zug etwa 4 Stunden von Moskau nach Nizhnij. Für russische Verhältnisse ist das ja eh „sehr nahe“.

Wir haben die Tickets online (nach einigen Komplikationen) um etwa 30€ für Hin-Retour gekauft, extra an einer Druckstation an der Uni auch ausgedruckt und sind damit dann (zwar etwas knapp) am Mittwochmorgen zum Bahnsteig gelaufen.  Jetzt kommt das große ABER: Aber wir hatten nicht bedacht, dass es ein Problem werden könnte, dass wir nur eine Passkopie bei uns tragen. Denn in Russland muss man sich anscheinend IMMER und ÜBERALL ausweisen können. Ein Dokument der Universität mit der Bescheinigung, dass der Reisepass gerade für die Visaverlängerung eingezogen wurde und daher nur eine Kopie vorliegt, wird schlichtweg einfach nicht akzeptiert. Mit den Worten des Kontrolleurs, der uns bei den Wagontüren aufgehalten hat: „Was interessiert mich denn dieses Papierl? Ihr fahrts hier ohne Pass nicht mit!“ Drei Mädls mit Tickets um insgesamt fast 100€, den Schlaf noch in den Augen (5:45 Uhr aufstehen – was ist denn das auch für eine Zeit?) haben also dann am Bahnhof versucht, das Geld zurückerstattet zu bekommen. Ob bzw. wann das Geld letztendlich auf die Karte zurücküberwiesen wird, steht noch in den Sternen – rein rechtlich aber steht uns das Geld zu. (Danke Stas fürs Nachschauen!)
Jetzt aber eine andere Frage: Was tun an einem Uni-freien Tag, an dem man schon mit Müh und Not (ZU) früh morgens aus dem Bett gekrochen ist?  – Natürlich! Zur Anzeigetafel gehen, einen Nahverkehrszug aussuchen, in dem es keine Passkontrolle gibt, und die Moskauer Gegend erkunden. Wenn schon nicht weit weg fahren, dann immerhin irgendwohin weg fahren.  Um 30 RUB (~40c) gings für uns also nach Kuskovo und dort haben wir bei strahlendem Sonnenschein einen dann doch noch tollen Tag verbringen können. Neben dem Sommerschloss der Familie Sheremetev gabs dann auch noch eine mehr oder weniger sichere Fahrt auf einem Ruderboot am angrenzenden See. (mehr Fotos in der Galerie)

Selfie am Ruderboot
Selfie am Ruderboot, Boot gegenwärtig unter der Kontrolle von Kapitänin Julia B. 😀

Am nächsten Tag nach der Uni gabs dann einen „Pel’meni-Abend“. Für jene, dies nicht kennen – Pel’meni sind ähnlich wie Tortellini, also auch Teigtaschen mit Fleischfüllung. Neben diesen Teigtaschen haben wir auch noch Wareniki vernascht – ebenfalls Teigtaschen aber mit unterschiedlichen Füllungen erhältlich (Frischkäse, Pilze, Kartoffeln, Beeren,…). Ganz typisch russisch hat natürlich auch die сметана (Smetana, ~Sauerrahm) nicht gefehlt.
Anfangs hab ich dieses typisch russische Essen noch etwas kritisch gesehen, aber mittlerweile könnte ich mich in Pel’meni mit Sauerrahm einwickeln – hmmmm 🙂

Woran ich nicht so viel Gefallen finde, wie an den Pel’meni und dem russischen Essen allgemein, das ist die ständig andauernde REMONT (Reparatur- und Montagearbeit).
„Der Gehweg ist zu schmal, machen wir mal einfach neu (weil Russland das ja kann) und lassen wir die Leute auch noch um halb 1 Uhr nachts daran arbeiten (weil Russland das ja kann). Stellen wir das Wasser für den Winter um und lassen die Leute einfach mal bis zu einer Woche ohne warmes Wasser leben (weil Russland das ja kann). Und geben wir ihnen dazwischen einen Abend warmes Wasser, damit sie glauben die Remont ist vorbei, und drehen es danach einfach wieder ab (weil Russland das ja kann). Stellen wir das System für Studententickets in der Metro um – zu SEMESTERBEGINN – und lassen die Austauschstudenten durch die Finger schauen (weil Russland das ja kann)….“ Dieses Schema könnte noch lange fortgeführt werden, aber ich denke man bekommt damit etwa einen Einblick 🙂

Etwas positiver sind meine Erinnerungen an den Ausflug in den Zoo in Moskau. Immer noch hatten wir wirklich (~20 Grad, wir wollen ja nicht übertreiben) warmes Wetter und einen freien Freitag-Nachmittag. Der Бабье-лето (Bab’e-Leto = Altweibersommer) läutet das Ende des Sommers, bzw. der schönen angenehm-warmen Herbstzeit ein und kündigt baldiges kaltes Wetter an. (brrrr… )
Am Abend wars dann soweit – ich habe mich entschieden das erste Mal in Moskau in einen Club zu gehen. (Alle die mich kennen wissen, dass ich eine gemütliche Bar einem Club ABSOLUT vorziehe und diese laute Musik und das Tanzparkett doch eher selten aufsuche) Da ich aber in Moskau bin, dachte ich mir: Warum denn mal nicht probieren? (Fotos vom Club selbst findest du hier: https://instagram.com/explore/tags/gipsyonelove/ )
Um 0.30 mit der Metro noch in den Club gefahren, mit Ausländerbonus in den Club eingelassen worden, den Club mit riesigen Glaswänden und Palmen bewundert, ein Bier getrunken, etwas getanzt und einen Russen abgewimmelt –  um 3 Uhr dann ab ins Taxi und zu viert zurück ins Studentenwohnheim. (Taxifahrer übrigens in Moskau immer zuerst nach dem Preis fragen und weit hinunterhandeln – ansonsten besteht Abzock-gefahr! Die Taxipreise sind absolute Verhandlungssache!) Das Club-Problem abgehakt steht uns ein nächstes Problem bevor: Der Eingang zum Campus ist abgeschlossen. (Zwischen 1 und 6 Uhr ist der Campus üblicherweise abgeschlossen, er wurde aber auch schon um 3 Uhr als nicht-verschlossen aufgefunden, daher unsere Hoffnung auf offene Türen) Neben dem Eingang gibt es aber ein Eisentor, das nicht 100% abschließt, und bei dem man die Flügel auseinanderhalten kann und durchhuschen kann. (Für unsere Sicherheit ist das allgemein nicht unbedingt vorteilhaft, schließlich könnte jeder dort in den Campus gelangen, aber immerhin konnten wir in dieser Nacht in unser Studentenwohnheim zurück)

Gut ausgeschlafen haben wir uns am nächsten Tag zum Shoppingcenter „Aviapark“ aufgemacht, um in unserem Lieblingssupermarkt „Ashan“ alles nötige einzukaufen. (Man kann sich das wie einen riesigen Metro-Shop vorstellen, auf zwei Stockwerken, in dem man einfach ALLES kaufen kann) Eine warme Bettdecke gabs um etwa 12€ (erst mal die Decke an der Kassa nach dem Einkauf vergessen, beim Mittagessen daran erinnert und im Supermarkt dann Geld zurückbekommen um die Decke ein zweites Mal zu kaufen) Wenn es um Reklamationen und Retournierung von Geld geht, kann man den Russen absolut nichts vorwerfen! Im Shoppingcenter selbst gibt es zentral ein großes, nein ein riesiges Aquarium, das bis zur Decke des Shoppingcenters reicht. Seht selbst:

In eben diesem Shoppingcenter gibt es einen Mediamarkt (ja, unseren von zu Hause) und dort gibt es DVDs zu absolut unschlagbaren Preisen! Eine Game of Thrones Staffel kostet hier 499 RUB (~6,5€) im Vergleich auf Amazon.de kostet dasselbe Produkt 14€. Also habe ich hier gleich mal zugeschlagen und einige DVDs zu meinem Eigentum gemacht. Ebenso hab ich gestern Abend diesen Kaufrausch erlebt, als ich in einem Buchladen war und mich im Endeffekt mit mehreren Kilos an Büchern nach Hause geschleppt habe. Hier mein derzeitiger Bestand an DVDs und Büchern:

Momentaner Bestand an DVDs und Büchern
Momentaner Bestand an DVDs und Büchern

So wie ich mich kenne wird dieser Berg noch wachsen hihi 🙂

Also bis dann,

Пока, пока друзья.

314.

HEY, ja mich gibts auch noch! Der Unibeginn hat jetzt wieder mehr Zeit in Anspruch genommen – so viel Freizeit wie in der ersten Woche gibts nicht mehr! Aber langweilig waren die letzten Tage nicht, nicht in Moskau, nicht bei mir!

Am Wochenende, am Samstag, 5. September 2015 genauer gesagt, hat Moskau seinen 868. Geburtstag gefeiert. Und weil man in Russland nicht einfach mal nur ‚ein bisschen‘ feiert, haben die diesen Samstag mal so richtig auf den Putz gehaut. Die Hauptstraße – abgesperrt. Menschen – viele Menschen. Nicht ein Konzert – Ein ganzer Nachmittag/Abend volles Programm (Aerosmith, John Newman, Polina Gagarina, etc.)
Auf der Tverskaja-Straße waren verschiedene Stationen, bei denen Schauspieler verschiedene traditionelle Situationen nachgestellt haben. Natürlich perfekt für den russischen Fotografier-Zwang. Alleine an diesem einen Tag auf dieser einen Straße wurden glaube ich mehr Selfies gemacht, als in Wien in einer ganzen Woche. Eine Frau auf Stelzen, etwa 4m groß, stand da für mehrere Stunden rum, um sich von Foto-fanatischen Russen (und uns) ablichten zu lassen. Die ganze Stadt schien in Aufruhr gewesen zu sein.
Auf einem großen Platz am Ende der Tverskaja-Straße war eine Bühne aufgebaut, wo den ganzen Tag über verschiedene Künstler vor zig-tausenden Leuten performten. Da ganz Moskau natürlich nie und nimmer zu einem Konzert gehen kann (12 Mio. auf einem Platz?) gabs entlang der Tverskaja Videowalls, wo man auch abseits dieser Bühne am Konzert teilhaben konnte. Nun ja, ein Stadtfest, das sich sehen lassen kann.

Am Sonntag, 6. September, konnten wir mit unseren schon gekauften Tickets endlich zum „Spasskaja Bazhnja Festival“ gehen. Das einzige, was wir darüber wussten war, dass es ein Militärfestival sein sollte. Also ließen wir uns einfach überraschen, für umgerechnet etwa 20 Euro. Das Problem an diesem Abend war: es hörte einfach nicht zu regnen auf. Mit etwa 4 Schichten angezogen haben wir uns dort dann noch eine Art Regenmantel gekauft, der uns im Endeffekt vermutlich vor einer schlimmen Verkühlung bewahrt hat. Es schüttete nämlich WIE AUS EIMERN! 2.5 Stunden sind wir dort gesessen, meine Schuhe waren gefüllt mit Wasser – kaum vorzustellen wie wir ohne diesen Regenmantel ausgesehen hätten. Das Festival selbst war wahnsinnig cool! Vergleichbar mit einem Militärmusikfestival bei uns, bei dem z.B. die persönliche Militärkapelle von Putin, die nationale Polizeimusik Italien, Heeresmusikkapelle Pakistan, Kazachstan, Slovenien, etc. aufgetreten sind. Ganz witzig war allerdings die Situation, als die slovenische Kapelle zu spielen begonnen hat, und ich mich beinahe in einem Bierzelt in Österreich befinden hätte können.


Am Ende der Show gabs ein riesigies Feuerwerk hinter der Basiliuskathedrale, ein krönender Abschluss und die 20€ allemal wert. (Auch wenns ohne Regen vermutlich noch etwas netter gewesen wäre)

Spasskaja Bazhnja Festival
Spasskaja Bazhnja Festival

Und seit Montag laufen endlich unsere Sprachkurse! An dieser Fakultät belege ich die Kurse ‚Grammatik‘, ‚Sprachpraxis‘ und ‚Sprache der Massenmedien‘. Bis jetzt wirken alle Kurse sehr interessant aber auch fordernd. Die Vorlesungen mit den russischen Studenten muss ich mir noch weiter einteilen, bis jetzt besuche ich die Vorlesungen mal um einen Eindruck zu bekommen. Das „Online-Vorlesungsprogramm“ der Uni ist da etwas verwirrend und braucht auch seine Zeit, sich damit zurecht zu finden.

Am Mittwoch waren wir in einer Bar etwas abseits vom Studentenwohnheim. Unter der Woche gibt es eine Aktion, bei der man für 1000 RUB etwa 5 Cocktails und 15 Mini-Cocktails à Shots bekommt. Gute Aktion für gute Studenten denk ich jetzt mal 🙂

Ich möchte auf jeden Fall noch nach Kazan und Sotschi fahren, ein Flug nach Sotschi und zurück kostet gerade mal etwa 110€, das muss ich ja fast ausnutzen in den nächsten Monaten 🙂

пока, пока друзья!

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Zamreiß’n heißt’s – der Abflug naht!

Nur mehr 6 Tage bis zum Flug – Grundgedanke der letzten Tage: „Ich darf XY nicht vergessen“ – Allgemeine Aufruhr in Familie und Freundeskreis.

Lange ist es her seit ich das letzte mal hier meine Gedanken niedergeschrieben habe. Jetzt wo ich wieder geerdet bin, meine Gedanken (so halbwegs) geordnet sind und die meisten Vorbereitungen abgeschlossen sind, finde ich auch für meinen kleinen Blog und für euch hier wieder Zeit.

Vieles ist passiert in den letzten Wochen, vieles musste erledigt werden – eines der wichtigsten Dinge war hier mein Visum. (an alle, die diese Bürokratie nicht so interessiert, wie sollte es auch, einfach beim nächsten Absatz weiterlesen!)
Die Einladung, die für den Visumsantrag absolut essentiell ist, war bereits am 8. Juli fertig, nur befand sie sich noch in Moskau. Am 14. Juli war sie dann auch schon in Wien an der Slawistik. (Für russische Postwege wirklich flott muss ich sagen!)  Sobald ich gewusst habe, wann ich die Einladung in etwa in Händen halten werden kann, habe ich auch schon einen Termin am Visazentrum in Wien (www.vhs-austria.com) beantragt. Anträge dort werden nur bis 15 Uhr entgegengenommen, zeitlich also auch wieder eine Herausforderung. Das Visazentrum (und nicht die russische Botschaft selbst) habe ich deswegen gewählt, weil es dort leichter ist auch kurzfristige Termine zu bekommen (eine gewisse Bearbeitungsgebühr muss man dort jedoch trotzdem zusätzlich entrichten) und die Erstellung des Visums auch nicht so viel Zeit in Anspruch nimmt (in meinem Fall 7 Werktage). Das Visazentrum ist zwar direkt beim Ausgang der S-Bahnstation ‚Rennweg‘, aber trotzdem nicht gleich auf Anhieb zu finden. Trotz meines außerordentlichen Orientierungssinnes ( haha 😉 ) bin ich etwas herumgeirrt, bis ich den Eingang gefunden habe. Zur Info: Das Visazentrum ist direkt in dem Glasgebäude beim Ausgang der Station über dem Café, man muss also beim Café den Eingang nehmen und in den ersten Stock hochgehen.
Lange Rede – kurzer Sinn: Das Visum klebt in meinem Pass und die Hürde Bürokratie ist einstweilen überwunden.

Kostenpunkt Visum: etwa 70€ Visum + 20€ Bearbeitungsgebühr

Für alle, deren Augen die letzten Zeilen überlesen haben, weil Bürokratie und so – hallo zurück 🙂 Das folgende Thema, meine kleine(n) Abschiedsfeier(n), wird wohl weniger trocken sein (hihi – im wahrsten Sinne des Wortes).
Weil vier Monate keine kurze Zeit ist, und ich die Zeit im Kreise meiner liebsten sehr genieße, wollte ich alle ein letztes Mal vor der Russlandreise noch bei mir haben. An einem Abend habe ich jene Personen meiner (doch recht großen) Familie eingeladen, die mir am nächsten sind. Mit der tollen Unterstützung meiner Eltern und meines Bruders ist dieser Abend herrlich geworden – gemütlich war’s, Schnitzel gabs natürlich, sowie Lagerfeuer und traumhaft warmes Wetter, wie bestellt. Hier auch nochmal ein großes Danke an meine Familie, ich habe den Abend mit euch wirklich sehr genossen! (Goli, falls du das mal lesen solltest, bitte nicht wieder weinen 😉 ) An einem anderen Abend habe ich meine Freunde in eine tolle Bar im 8. Bezirk eingeladen. (www.nachbar.co.at; wirklich zu empfehlen – nettes Personal, gutes Essen und relativ günstige Preise) Genau mit diesen Menschen verbringe ich in Wien meine Zeit, treibe Späße, führe ernsthafte Gespräche und erlebe wunderbare Momente. Sie alle sind wichtige Menschen für mich ,und gerade deswegen schätze ich ihre Meinungen und ihren Rat sehr. Diese Meinungen werde ich auch weiterhin gerne hören, nur eben aus einigen hundert Kilometern Entfernung.

Einige hundert Kilometer muss ich aber auch erst einmal zurücklegen – gebucht habe ich dafür einen Flug am 26. August von Wien nach Moskau. Den Flug habe ich erst gebucht, nachdem ich mir sicher war, dass das Visum bis dorthin auch ausgestellt worden sein wird. (holy crap – Zustandspassiv Futur II?) Übers Internet habe ich also Ende Juli gleich mit meiner neuen Kreditkarte ein One-Way Ticket bei Aeroflot gekauft. Wegen der recht kurzfristigen Buchung durfte ich für eine Richtung Wien – Moskau rund 200€ auf den Tisch legen.

Mit 20 Kilo im Gepäck nach Russland? Wie soll denn das nur funktionieren?

Das Kofferproblem, nämlich das, wie ich mit NUR 20 Kilo vier eher kalte Monate in Russland überstehen soll, ist endlich gelöst. Nachdem ich mit mir selbst einig geworden bin, dass 20 Kilo schlicht und einfach NICHT MÖGLICH sind für mich, habe ich auf http://www.aeroflot.ru die Lösung meines kleinen Dilemmas gefunden. Um 50€ kann ich ein zusätzliches Gepäckstück am Flughafen aufgeben. Ginge das nicht, wäre das Packen ECHT schlimm geworden. (Wer mein Gepäck für mein 5-wöchiges Sprachcamp in WIEN gesehen hat, weiß, dass ich das für vier Monate Russland mit einem Koffer nie im Leben geschafft hätte 😀 )

Noch ist mein Gefühlszustand etwas am Schwanken. Ich freue mich auf die Reise, auf ein Semester voller Abenteuer – andererseits ist es auch ein Sprung ins kalte Wasser, eine Reise mit einem Zielort, an dem ich noch kaum jemanden kenne und die Sprache nicht fließend spreche.

Was mich erwarten wird, weiß ich noch nicht.
Wen ich dort treffen werde, kenne ich jetzt noch nicht.
Was ich dort lernen werde, das kann ich mir noch nicht einmal ansatzweise vorstellen.

Was ich aber schon weiß, ist, dass es eine unvergessliche Zeit wird.
Was ich auch schon kenne, das ist die fremde Kultur und meine Offenheit gegenüber Neuem.
Wovon ich auch schon Ahnung habe, das ist die Sprache. Nicht perfekt, aber immerhin zum Verständigen reichts.

Wer nicht wagt, der nicht findet.

Bedeutender als überhaupt zuvor: Пока, пока друзья!

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