Transsib-Stopp #3: Jekaterinburg

Am Dienstag Mittag kamen wir in Ekaterinburg an, in der Hauptstadt des Urals. Viel wussten wir noch nicht über diese Stadt, wussten lediglich, dass wir dort drei Tage verbringen würden. Bei +32 Grad fanden wir auch relativ schnell den Weg zu unserem Hostel. Valerij, der Betreiber dieses Hostels zeigte uns gegen 14 Uhr unser Zimmer im Art Hostel Na Bankovskij und wir waren überrascht und verblüfft zugleich: das Zimmer war zwar gerade mal 12qm groß, hatte aber Fernseher, Balkon und für uns Herumreisenden ganz wichtig: ausreichend Steckdosen. 🙂 Ich kann gar nicht oft genug sagen, wie oft wir diese brauchen und einfach nicht haben. Alle Züge, mit denen wir bis jetzt gefahren sind, hatten alle keine Steckdosen am Platz. Eine einzige Steckdose bei den Toiletten reicht nicht für 52 Reisende im Wagon, das ist uns schnell klar geworden.

dav
Zimmer mit Balkon 🙂

dav

Nach einigem Herumsuchen wollten wir zur Grenze Europa-Asien, die in der Nähe von Ekaterinburg verläuft. Ein Monument sollte dort stehen,  das wir gerne ansehen wollten. An der zentralen Busstation sagten wir, wir wollen zur Grenze Europa-Asien und bekamen auch gleich ein Ticket ausgestellt zur Station „Kenping“. Auch das Internet bestätigte, dass der Bus Richtung Monument fährt, nur die genannte Station konnten wir nicht daneben finden. Wir vertrauten in das Wissen der Lokalen und fuhren mit dem Bus. Während der Fahrt lokalisierten wir das Monument immer auf Google Maps, je näher wir dem Monument kommen sollten, desto weniger stieg der russische Busfahrer vom Gas.

IMG_20160817_120810.jpg
Bus ins Irgendwo

Und vorbei waren wir. Was war das? Wir sollten ja beim Monument aussteigen? Die Mitfahrenden meinten, unsere Station sei noch etwa 10-15min weiter mit dem Bus. Jetzt waren wir erst recht gespannt, wohin uns die Fahrkartenverkäuferin hingeschickt hat. Es erwartete uns: ein Badeparadies. Laute Musik, Badesee, Grillerei, Hotels und Natur pur. Der ganze Spaß trug den Namen „Europa-Asien“ – so schnell kann Verwechslung gehen. Man sucht ein Denkmal und findet fälschlicherweise einen Badetraum. Da wir aber weder mit Bikini noch mit Handtuch ausgestattet waren, wie denn auch, so war es für uns in diesem Moment ein BadeALPtraum 😀 nur die Beine konnten wir etwas ins Wasser baumeln lassen, während alle anderen bei 35° im angenehmen See badeten. Wir merkten uns den Ort, vielleicht würden wir ja nochmal herkommen – die einzigen Touristen wären wir hier auf jeden Fall, denn hierhin kann man nur unabsichtlich finden. Hätten wir genau das gesucht, wären wir bestimmt wieder wo anders gelandet 😀

dav
Badeparadies (wenn man Badesachen dabei hat natürlich)

Bei der Rückfahrt konnten wir das Monument zumindest aus dem Fenster kurz erkennen. War auch ganz nett, mit unserer neuen Entdeckung waren wir aber weitaus zufriedener 🙂

Am Nachmittag spazierten wir dann noch durch die Stadt, und was auf der Stadtkarte wie 20 Min Fußweg aussah, stellte sich als 60min Marsch heraus. Wir kamen an einem kleinen Friedhof an, der keinem unserer Friedhöfe ähnelte. Zwischen den wuchernden Gewächsen sahen wir kleine Stäbe, farbige und rostige, Schilder und andere Zeichen, die signalisierten, dass dort Gräber waren. Auf jeden Fall interessant auch so etwas gesehen zu haben. Wir haben uns auch erlaubt dort Fotos zu machen, Gräber haben wir aber dafür keine ausgeraubt.

Die Kathedrale am Blut (Храм на крови) ist nur etwa 25min Fußweg entfernt und ist eine neu errichtete Kirche. Und zwar befindet sie sich auf jenem Platz, wo 1918 im Zuge der Oktoberrevolution die gesamte letzte Zarenfamilie um Nikolai II ermordet wurde. Im Sonnenuntergang konnten wir die Kirche sogar von ihrer schönsten Seite sehen.

dav
Kirche am Blut in Jekaterinburg

Im abendlichen Ekb saßen wir auch noch, wie etwa 50 andere, am Ufer des durch die Stadt fließenden Flusses und taten das, wofür ein Bekannter in Moskau sogar von der Polizei mitgenommen wurde: wir tranken ein alkoholisches Getränk in der Öffentlichkeit. 😮 So viele Menschen waren um 23.00 Uhr noch unterwegs, genossen die noch warmen Temperaturen, wir hatten immerhin noch etwa 28 Grad um diese Zeit. Wirklich wunderbar.

Der letzte Tag in Ekaterinburg sollte der heißeste werden – bis zu 38° kletterte die Temperaturanzeige hinauf. Weil wir ja am Vortag zufälligerweise einen Geheimtipp entdeckt hatten, fuhren wir ein zweites Mal 60min aus der Stadt hinaus zum Baderesort (Diesmal alles mit Absicht) und verbrachten ein paar wenige Stunden dort am See. Es gelang uns kaum zu glauben, dass wir im Ural bei über 35° Lufttemperatur in einem Natursee baden konnten. Damit uns die ganze Situation wieder etwas realer vorkommen sollte, zog kurzfristig ein Unwetter auf und ein kurzer Platzregen ließ uns zum Bus laufen. An dieser Stelle hätten wir auch gerne ein eigenes Auto gehabt, mit dem wir ganz einfach verduften hätten können. Aber wir machten uns wie schon gewohnt auf, um an der Bushaltestelle einen Bus herbeizuwinken.

Der Bus ging direkt zum Bahnhof, wo wenig später schon unser Zug Richtung Omsk abfahren sollte. Eine riesige Lok fuhr auf den Bahnsteig ein, richtig urig kam mir das vor. Richtig urig war sie auch drinnen, eine Toilette mit Pedal statt Spülung. Einmal das Pedal gedrückt und – plumps – alles landet auf den Gleisen. Vermutlich auch der Grund, warum es gewisse Zeiten gibt, zu denen die Toilette versperrt bleibt. Alles hat hier seine Gründe 😉

Von Ekaterinburg ging es wieder im offenen Wagon nach Omsk, fast 30° hatte es im Inneren und wirklich schwer taten wir uns in dieser Nacht, den Schlaf zu finden. Nicht nur, dass der Zug regelmäßig Fahrgäste auch nachts zusteigen ließ, auch die drückende Hitze im Wagon ließ uns auf unseren (fix nicht mal) 90cm Betten nicht schlafen. Der nächste Tag sollte in Omsk verbracht werden, bevor es am Abend weiter nach Tomsk gehen sollte. Mittlerweile hatte wir in EKB +2h Zeitunterschied zu Moskau und +3h zu Wien. Die Tour in den Osten und gegen die Zeit geht weiter. 🙂

Alles Liebe aus dem Osten :*

dav
Kupe Kazan – Ekb
dav
Flussufer Ekb
dav
Spaziergang am Fluss 🙂
dav
Friedhof mal anders
sdr
Das Grab eines ehemaligen Offiziers, scheinbar.
sdr
Denkmal den Verstorbenen im Afghanistankrieg und in Tschetschenien.
mde
Ekb am Abend ❤

sdr

 

Weihnachten in Moskau: mit Kitsch und ohne Schnee

Es heißt immer „Moskau schläft nie“. Nachdem ich aber die letzten Wochen hier in Moskau erlebt habe, kann ich sagen, Moskau schläft – und zwar von 1. bis vermutlich 10. Jänner. Keine übervolle Metro, kein übermäßiger Verkehr – Ruhe pur für Moskauer Verhältnisse.

Wir sind nach Russland gekommen mit den Erwartungen: Winterchaos und Kälte. Am Weihnachtsabend war davon aber nur wenig zu spüren. Schnee gab es maximal auf Bildern oder in russischen Weihnachtsfilmen; noch wenige Tage vor Weihnachten konnte ich sogar meinen Wintermantel für kurze Spaziergänge im Zimmer lassen und die Herbstjacke auspacken.

Wie aber war der Heilige Abend abseits von Familie und der geliebten Weihnachtsgans? Bis zum späten Nachmittag drehte sich alles in meinem Kopf hauptsächlich darum: Was passiert zu Hause wohl gerade? Liegen gerade alle in meinem Bett und schauen tschechische Weihnachtsmärchen? Hat die Mama die Weihnachtsgans schon in den Ofen geschoben? (Den Duft, der da im ganzen Haus aufzufinden ist, konnte ich mir nur aus meiner Erinnerung abrufen)
Mit Freunden aus Russland und anderen Internationals hatten wir uns zum Abendessen in einem Restaurant verabredet. Dass italienisches Essen so fürchterlich an einem heiligen Abend sein würde, konnte ich mir anfangs noch gar nicht vorstellen. Per Video alles zu sehen, wie es zu Hause gerade abläuft und selbst nicht dabei zu sein, war wirklich eine ziemliche Überwindung. Eben diese Tage rund um Weihnachten waren zwar auch in Russland ganz nett, aber da Russland Weihnachten erst am 7. Jänner feiert, und Silvester der Tag ist, der den Feierlichkeiten von unserem Weihnachten entspricht, war von Weihnachtsstimmung nicht wirklich etwas zu erkennen.
Feierlichkeiten – natürlich. Weihnachten – keine Spur.
Eben diese Tage rund um Weihnachten waren eine große Herausforderung, weil man doch selbst dabei sein möchte, und sich nicht nur am anderen Ende des Whatsapp-Chats befinden möchte.

Aber weil die Uhr ja nicht stehen bleibt, ist auch diese Zeit vergangen und das neue Jahr gekommen. Mit meinem Besuch aus Österreich habe ich vor dem Kreml in ein neues, abenteuerliches sowie erfreuliches Jahr 2016 gefeiert.

IMG_1674

An alle zu Hause in Österreich, und an alle, die rund um den Globus verstreut leben – ein frohes neues Jahr! Darauf, dass wir im neuen Jahr weiter an unseren Herausforderungen wachsen, und nicht mit dem Strom schwimmen, nur weil es leichter ist. Darauf, dass das neue Jahr Veränderungen bringt, und wir lernen mit ihnen umzugehen. Darauf, dass wir im neuen Jahr das schätzen lernen, was wir haben und können, und nicht am Neid gegenüber Nichtigkeiten zu Grunde gehen.
Darauf, dass wir im neuen Jahr einzigartige Erfahrungen machen, die uns prägen und vielleicht auch verändern. Denn Veränderung kann auch toll sein. 🙂

Bis bald,

пока, пока друзья!

314.

Moskau: Alltag in Bildern

Viele Dinge kann man sich alleine durch Erzählungen nicht vorstellen. Ein Beispiel: Im Erdgeschoss gibt es eine Waschmaschine, die alle Austauschstudenten benutzen können. Damit alles geregelt abläuft gibt es eine Liste, in die sich jeder eintragen muss. Jeden Tag gibt es von 15.00-21.00 jede Stunde einen Termin. Diese Liste sieht folgendermaßen aus:

IMG_8675
Mit Bleistift muss Name, Zimmernummer und Stockwerk eingetragen werden

Grundsätzlich dürfte sich jeder Student max. 1x pro Woche einen Termin aussuchen. Da aber für etwa 70+ Studenten nur EINE Waschmaschine zur Verfügung steht, darf man sich glücklich schätzen innerhalb von 3 Wochen einen Termin zu ergattern. So habe ich zum Beispiel das letzte Mal am 7. November gewaschen, dazwischen sind über 3 Wochen (inkl. 1 Woche Sochi) vergangen. Wenn also zu viel Wäsche zu waschen ist und man keinen Waschtermin in absehbarer Zeit eingetragen hat, dann läuft das anders – und zwar so:

IMG_9237.JPG
Plastikschüssel + heißes Wasser + Waschmittel = Ines wäscht selbst

Natürlich läuft nicht alles so wie man es gewohnt ist. Aber manche Gewohnheiten behält man dann doch – Schnitzel mit Kartoffelsalat. 🙂 Für ein paar Freunde (Internationals sowie Russen) hab ich schon Schnitzel gekocht – ein russischer Freund fragt mich oft wieder zu kochen, jedoch vorrangig den Kartoffelsalat (keine Ahnung was an den Schnitzerl schlecht sein soll haha? oder vielleicht kennt man hier den Kartoffelsalat einfach nicht, keine Ahnung(: )

IMG_8919.JPG
Österreich in Russland – Schnitzerl mit Kartoffelsalat
IMG_8975.JPG
Palatschinken, oder wie die Russen sagen: „Blinis“

Damit wir uns aber nicht nur der Heimat zuwenden, sondern auch unseres gegenwärtigen Aufenthaltsortes bewusst sind, kommen wir auch hin und wieder in den Genuss des glasklaren ‚Elexirs‘ und erheben die russische Fahne (:

 

IMG_8923.JPG
Möglichkeit 1, die russische Fahne aus Kleidungsstücken nachzubasteln.

Wo wir schon bei der russischen Nationalität angekommen sind: Putin ist ein Gott. Zumindest wenn man den Souvenirs glaubt. Wenn es von unserem Herrn Heinz nur annähernd so viele Souvenirs geben würde, dann würden wir alle schon mit Monobrauen-Schlüsselanhänger herumlaufen. Ein Herr Fischer auf dem Bären (wie Putin im Foto rechts unten) wäre mindestens so ein Verkaufsschlager wie der starke Vladimir oben ohne auf dem Kaffeehäferl im rechten Bild (ich meine, was sieht man morgens beim Frühstück lieber? ) Und ja, das ist Sarkasmus, ihr lieben! (Wehe einer glaubt mir das auch noch, dann kennt ihr mich schlecht)

Russland ist eine riesengroße Stadt. Offiziell 12 Millionen Einwohner, inoffiziell 15 Millionen. Das ist beinahe doppelt so viel wie ganz Österreich Einwohner hat. Das äußert sich nicht nur in der Rush Hour (час пик) sondern auch in Form von gigantischen Straßen. Wenn man die Straßen hier gesehen hat, dann erscheint einem der Ring in Wien lediglich als Parallel- oder gar als Nebenstraße.

IMG_0407.JPG
Soweit das Auge reicht – Menschen. Metro zur Rush Hour… (links und rechts unten sind die Plattformen der Metro)
IMG_9158.JPG
Eine der vielen Hauptstraßen in Moskau. Eine Richtung – 6 Spuren. Mit kleiner Verkehrsinsel für Fußgänger beim Überqueren. (Hinter mir sind weitere 6 Spuren in die andere Richtung)

Ein anderer Ort, an dem sichtbar wird, dass Moskau einfach riesig ist, ist die Tretjakov-Galerie. Zwei Mal war ich bis jetzt schon dort, einmal bin ich auch in das Museum hineingegangen, und jedes Mal habe ich so eine lange Schlange vorgefunden. Die Liebe der Russen zum Schlangestehen ist mir schon lange aufgefallen. Sei es vor dem Autobus, vor dem Museum oder vor dem Kartenverkauf – Schlange stehen ist ein Muss. Mit der Frage „Кто последний?“ [Wer ist der letzte] erkundigen sie sich immer sehr höflich, um sich anschließend hinten anzustellen.

IMG_9221.JPG
Warteschlange vor der bekannten Tretjakov-Galerie

Was man in anderen Museen dann findet lässt einen wieder erstaunen. Im Museum für moderne russische Geschichte gibt es ein Buch aus: ENNS. Nicht weit von meinem Heimatort in Österreich hat der Bürgermeister der ältesten Stadt Österreichs, Enns, Herrn Michail Gorbatschow für seine Friedensbemühungen gedankt.

IMG_9326.JPG
Aus Österreich für Russland – Friedensbuch

Was die Religion betrifft gibt es viele sehr gläubige Menschen hier. Natürlich gibt es die bei uns in Österreich auch, aber hier rückt die Religion auch an Plätzen außerhalb der Kirche stark in den Vordergrund. Beispielsweise gibt es am Flughafen in Sochi eine eigene kleine ‚Kapelle‘, wenn man das so nennen kann. In dieser Kleinen Kapelle gibt es ein paar Ikonen, zu denen Mitglieder der orthodoxen Gemeinde beten können.

IMG_0151.JPG
Flughafen Sochi – Kapelle aus Glas

Wie wir wissen, lieben es die Russen auch wenn es überall glitzert und scheint – so auch am Neuen Arbat zum Beispiel (oder im Einkaufszentrum):

Es ist nicht alles alt, es ist aber auch nicht alles neu. Russland – das Land der Gegensätze.

Heute habe ich mit Bildern zurückgemeldet, da ich schon merke, dass mir selbst in meiner Muttersprache hin und wieder (vorallem im Gespräch) Wörter fehlen. Diese Worte kenne ich dann entweder auf Russisch oder auf Englisch. Und so funktioniert es in alle Richtungen – mittlerweile habe ich ein richtiges Sprachen-WirrWarr im Kopf kann man fast sagen. Ob Russisch, Englisch oder Deutsch – Sprachen sind in diesem Semester ja das Wichtigste.
Somit Baba, Bye und Пока – damit sich keine Sprache benachteiligt fühlt. (:

314.

 

 

 

Vladivostok – einmal um die halbe Welt und zurück

Ein paar Tage sind schon wieder vergangen seit meiner Rückkehr aus Vladivostok, die Eindrücke und Erinnerungen bleiben.

Schwierig ist es all die tollen Dinge in Worte zu fassen, das was ich dort erlebt und vor allem gesehen habe. Meine Fotos schaffen es nur annähernd die Stimmung festzuhalten.

Am Hinflug vom Abendrot begleitet

Die Stadt selbst, Vladivostok, kann man unter anderem als eine Mischung aus Wien und San Francisco sehen. Die Gebäude sind wirklich sehr schön, teilweise alt, teilweise sehr modern. Im Stadtzentrum gibt es keine richtig schlimmen ‚Wohnbunker‘, wie wir sie aus Moskau kennen. Eine große Menge an Bars, kleinen Cafés, Restaurants und kleinen Geschäften macht die Stadt lebendig. An das Meer rund um die Stadt sind die Bewohner schon gewöhnt, für uns war es aber etwas Außergewöhnliches, ein Kontrast zu Moskau. Am Ufer entlangzuschlendern, der Sonne beim Verschwinden hinterm Horizont zuzusehen – einfach unglaublich. Äußerst schwer hat es uns die Zeitverschiebung und der lange Flug gemacht. Mit einer Zeitverschiebung von 7h nach Moskau und einem 8 Stunden Flug sind wir nach Moskauer Zeit spät abends, nach Ortszeit aber früh morgens in Vladivostok angekommen. Niederlegen und schlafen war für uns aber absolut keine Option.

Zeitverschiebung - so a Hund

Unser erster Weg an Tag 1 im fernen Osten ging natürlich sofort ans Meer. Vom Hostel aus dürften es etwa 3 Minuten zu Fuß zum Meer sein – wir wollten aber sofort an die untere Spitze des Festlandes, zum bekannten Leuchtturm. Die vielen Eindrücke, die salzige Meerluft und die tollen Aussichten können durch die Fotos nur annähernd festgehalten werden.

so weit das Auge reicht
So weit das Auge reicht – Meer

Am Samstag, als alle vom JetLag erholt waren, haben wir eine geleitete Tour auf die Insel Russkij gemacht. Am Vorabend habe ich noch bei einem privaten Veranstalter angerufen, dessen Nummer ich im Internet gefunden habe, und diese Tour gebucht. (Auf russisch, beim ersten Anlauf, ohne Kommunikationsprobleme – check :D) Wir sechs sind gemeinsam mit unserer Gruppenleiterin Elena, die selbst auf der Insel geboren wurde, in einem alten Minibus auf die Insel gefahren (Und das, obwohl ich mir gesagt habe kleine Kastenwägen in Russland zu meiden haha). Etwa 5 Stunden lang haben wir verschiedenste Plätze auf der Insel besichtigt, Bunker besucht und russische Militärstützpunkte erkundet.
Zu diesem Zeitpunkt ist mir erstmals bewusst geworden, wie groteskt diese Dinge eigentlich sind.
Die Kanonen, überall in Vladivostok und allgemein in Russland verstreut,die vermutlich einmal Menschenleben gefordert haben, stehen einfach so im Freien herum. Menschen, auch wir, machen Fotos mit diesen Geräten – ja wir haben es gesehen, wir waren dort. Kinder setzen sich auf die Militärmaschinen, drehen sich, spielen darauf, als wäre es ein ganz normales Spielzeug. Das ist es aber nicht, es ist echt. War echt und und hat wirklich funktioniert – auch wenn man sich das in dem Moment nicht vorstellen kann und möchte.

Kinder spielen auf den Militärgeräten wie auf Spielzeugen
Kinder spielen auf den Militärgeräten wie mit Spielzeugen

Im Zentrum Vladivostoks kann man auch ein russisches U-Boot besichtigen. Im Inneren befindet sich ein zu einem Museum umgebauter Teil, der hintere Teil sieht originalgetreu aus, soweit ich das als Laie beurteilen kann.

DSC_0298
U-Boot

Am Weg zu der Insel Russkij haben wir von der Brücke den ganzen Hafen überblicken können. Und genau da habe ich mein erstes richtiges U-Boot gesehen. Riesengroß, schwarz und nur ein kleiner Teil davon war über Wasser zu sehen. (logisch^^) Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie mit Militärschiffen geschweige denn U-Boot-Flotten zu tun – ein Eindruck der nicht so schnell zu vergessen ist. Erst als ich die Geschosse auf dem Militärschiff mit eigenen Augen gesehen hatte, die Crew zum Sport am Landgang von Trompeten begleitet wurde, wurde mir klar, dass das kein Museum, keine Erzählung, sondern alles WIRKLICH ist. Es klingt jetzt vielleicht naiv, wenn ich sage, ich konnte mir so etwas nie vorstellen. Aber sind wir uns ehrlich – wer kann sich ein richtiges U-Boot oder ein Militärschiff vorstellen und dazu auch das eigenartige erschaudernde Gefühl fühlen, wenn er es noch nie selbst erlebt oder gesehen hat.

Ein kleiner Exkurs mit meiner persönlichen Meinung: Eben auf Grund unserer österreichischen Geschichte werden historische Punkte nicht so propagiert wie hier in Russland. Nicht nur in Vladivostok sondern in ganz Russland zeigt sich diese Propaganda auf Plakaten. Der Grund liegt darin, dass es sich dieses Jahr jährt , 2015, das Siegesjahr von 1945. Auf riesigen Plakaten ist geschrieben „Unser Sieg – 70 Jahre“, dazu abgebildet starke Soldaten der russischen Armee. Dieses Land hat eine andere Beziehung zu Krieg, zum Militär allgemein. Ich denke mir immer mehr, dass es uns in Österreich so gut geht, dass wir es kaum mehr zu schätzen wissen, dass wir in einem Land ohne Krieg leben dürfen. Wenn man in die Ukraine oder nach Syrien blickt, wo derzeit die Hölle brennt, möchte ich mir gar nicht vorstellen wie es den Menschen gehen muss, die diese Kriegsgeräte, die ich hier in Russland als „stillgelegte“ gesehen habe, live erleben müssen. Wenn ich daran denke, welch ein unangenehmes Gefühl ich schon alleine beim Anblick der erkalteten Maschinen oder der im Hafen angelegten Militärschiffe empfunden habe, ist die Realität noch unglaublicher.

Das ist eine Erfahrung die mich reicher macht, mir vielleicht andere Blickwinkel eröffnet und die ich nichtsdestotrotz auf gar keinen Fall missen möchte.

пока пока, друзья!

314.

„Was interessiert mich denn dieses Papierl?“- Die Wichtigkeit eines Reisepasses

Über eine Reise nach Nizhnij Novgorod, die nicht bis nach Nizhnij geführt hat , einen russischen Pel’meni-Abend, das ständige Problem à la ‚russische Remont‘ , einen ‚klitzekleinen‘ Buchkauf und einem Besuch im Gipsy-Club.

Ich melde mich zurück mit einer Menge an Erlebnissen, die ich unbedingt erzählen muss, weil einfach RUSSLAND!

Am Mittwoch letzte Woche, 16. September um genau zu sein, wollten wir zu dritt mit dem Zug nach Nizhnij Novgorod fahren. (Am Bild hier seht ihr, dass es nicht ganz so nahe ist, wie man es vermuten würde, wenn der Russe die Entfernung mit ‚ganz nahe‘ bezeichnet)

Mit dem Zug etwa 4 Stunden von Moskau nach Nizhnij. Für russische Verhältnisse ist das ja eh
Mit dem Zug etwa 4 Stunden von Moskau nach Nizhnij. Für russische Verhältnisse ist das ja eh „sehr nahe“.

Wir haben die Tickets online (nach einigen Komplikationen) um etwa 30€ für Hin-Retour gekauft, extra an einer Druckstation an der Uni auch ausgedruckt und sind damit dann (zwar etwas knapp) am Mittwochmorgen zum Bahnsteig gelaufen.  Jetzt kommt das große ABER: Aber wir hatten nicht bedacht, dass es ein Problem werden könnte, dass wir nur eine Passkopie bei uns tragen. Denn in Russland muss man sich anscheinend IMMER und ÜBERALL ausweisen können. Ein Dokument der Universität mit der Bescheinigung, dass der Reisepass gerade für die Visaverlängerung eingezogen wurde und daher nur eine Kopie vorliegt, wird schlichtweg einfach nicht akzeptiert. Mit den Worten des Kontrolleurs, der uns bei den Wagontüren aufgehalten hat: „Was interessiert mich denn dieses Papierl? Ihr fahrts hier ohne Pass nicht mit!“ Drei Mädls mit Tickets um insgesamt fast 100€, den Schlaf noch in den Augen (5:45 Uhr aufstehen – was ist denn das auch für eine Zeit?) haben also dann am Bahnhof versucht, das Geld zurückerstattet zu bekommen. Ob bzw. wann das Geld letztendlich auf die Karte zurücküberwiesen wird, steht noch in den Sternen – rein rechtlich aber steht uns das Geld zu. (Danke Stas fürs Nachschauen!)
Jetzt aber eine andere Frage: Was tun an einem Uni-freien Tag, an dem man schon mit Müh und Not (ZU) früh morgens aus dem Bett gekrochen ist?  – Natürlich! Zur Anzeigetafel gehen, einen Nahverkehrszug aussuchen, in dem es keine Passkontrolle gibt, und die Moskauer Gegend erkunden. Wenn schon nicht weit weg fahren, dann immerhin irgendwohin weg fahren.  Um 30 RUB (~40c) gings für uns also nach Kuskovo und dort haben wir bei strahlendem Sonnenschein einen dann doch noch tollen Tag verbringen können. Neben dem Sommerschloss der Familie Sheremetev gabs dann auch noch eine mehr oder weniger sichere Fahrt auf einem Ruderboot am angrenzenden See. (mehr Fotos in der Galerie)

Selfie am Ruderboot
Selfie am Ruderboot, Boot gegenwärtig unter der Kontrolle von Kapitänin Julia B. 😀

Am nächsten Tag nach der Uni gabs dann einen „Pel’meni-Abend“. Für jene, dies nicht kennen – Pel’meni sind ähnlich wie Tortellini, also auch Teigtaschen mit Fleischfüllung. Neben diesen Teigtaschen haben wir auch noch Wareniki vernascht – ebenfalls Teigtaschen aber mit unterschiedlichen Füllungen erhältlich (Frischkäse, Pilze, Kartoffeln, Beeren,…). Ganz typisch russisch hat natürlich auch die сметана (Smetana, ~Sauerrahm) nicht gefehlt.
Anfangs hab ich dieses typisch russische Essen noch etwas kritisch gesehen, aber mittlerweile könnte ich mich in Pel’meni mit Sauerrahm einwickeln – hmmmm 🙂

Woran ich nicht so viel Gefallen finde, wie an den Pel’meni und dem russischen Essen allgemein, das ist die ständig andauernde REMONT (Reparatur- und Montagearbeit).
„Der Gehweg ist zu schmal, machen wir mal einfach neu (weil Russland das ja kann) und lassen wir die Leute auch noch um halb 1 Uhr nachts daran arbeiten (weil Russland das ja kann). Stellen wir das Wasser für den Winter um und lassen die Leute einfach mal bis zu einer Woche ohne warmes Wasser leben (weil Russland das ja kann). Und geben wir ihnen dazwischen einen Abend warmes Wasser, damit sie glauben die Remont ist vorbei, und drehen es danach einfach wieder ab (weil Russland das ja kann). Stellen wir das System für Studententickets in der Metro um – zu SEMESTERBEGINN – und lassen die Austauschstudenten durch die Finger schauen (weil Russland das ja kann)….“ Dieses Schema könnte noch lange fortgeführt werden, aber ich denke man bekommt damit etwa einen Einblick 🙂

Etwas positiver sind meine Erinnerungen an den Ausflug in den Zoo in Moskau. Immer noch hatten wir wirklich (~20 Grad, wir wollen ja nicht übertreiben) warmes Wetter und einen freien Freitag-Nachmittag. Der Бабье-лето (Bab’e-Leto = Altweibersommer) läutet das Ende des Sommers, bzw. der schönen angenehm-warmen Herbstzeit ein und kündigt baldiges kaltes Wetter an. (brrrr… )
Am Abend wars dann soweit – ich habe mich entschieden das erste Mal in Moskau in einen Club zu gehen. (Alle die mich kennen wissen, dass ich eine gemütliche Bar einem Club ABSOLUT vorziehe und diese laute Musik und das Tanzparkett doch eher selten aufsuche) Da ich aber in Moskau bin, dachte ich mir: Warum denn mal nicht probieren? (Fotos vom Club selbst findest du hier: https://instagram.com/explore/tags/gipsyonelove/ )
Um 0.30 mit der Metro noch in den Club gefahren, mit Ausländerbonus in den Club eingelassen worden, den Club mit riesigen Glaswänden und Palmen bewundert, ein Bier getrunken, etwas getanzt und einen Russen abgewimmelt –  um 3 Uhr dann ab ins Taxi und zu viert zurück ins Studentenwohnheim. (Taxifahrer übrigens in Moskau immer zuerst nach dem Preis fragen und weit hinunterhandeln – ansonsten besteht Abzock-gefahr! Die Taxipreise sind absolute Verhandlungssache!) Das Club-Problem abgehakt steht uns ein nächstes Problem bevor: Der Eingang zum Campus ist abgeschlossen. (Zwischen 1 und 6 Uhr ist der Campus üblicherweise abgeschlossen, er wurde aber auch schon um 3 Uhr als nicht-verschlossen aufgefunden, daher unsere Hoffnung auf offene Türen) Neben dem Eingang gibt es aber ein Eisentor, das nicht 100% abschließt, und bei dem man die Flügel auseinanderhalten kann und durchhuschen kann. (Für unsere Sicherheit ist das allgemein nicht unbedingt vorteilhaft, schließlich könnte jeder dort in den Campus gelangen, aber immerhin konnten wir in dieser Nacht in unser Studentenwohnheim zurück)

Gut ausgeschlafen haben wir uns am nächsten Tag zum Shoppingcenter „Aviapark“ aufgemacht, um in unserem Lieblingssupermarkt „Ashan“ alles nötige einzukaufen. (Man kann sich das wie einen riesigen Metro-Shop vorstellen, auf zwei Stockwerken, in dem man einfach ALLES kaufen kann) Eine warme Bettdecke gabs um etwa 12€ (erst mal die Decke an der Kassa nach dem Einkauf vergessen, beim Mittagessen daran erinnert und im Supermarkt dann Geld zurückbekommen um die Decke ein zweites Mal zu kaufen) Wenn es um Reklamationen und Retournierung von Geld geht, kann man den Russen absolut nichts vorwerfen! Im Shoppingcenter selbst gibt es zentral ein großes, nein ein riesiges Aquarium, das bis zur Decke des Shoppingcenters reicht. Seht selbst:

In eben diesem Shoppingcenter gibt es einen Mediamarkt (ja, unseren von zu Hause) und dort gibt es DVDs zu absolut unschlagbaren Preisen! Eine Game of Thrones Staffel kostet hier 499 RUB (~6,5€) im Vergleich auf Amazon.de kostet dasselbe Produkt 14€. Also habe ich hier gleich mal zugeschlagen und einige DVDs zu meinem Eigentum gemacht. Ebenso hab ich gestern Abend diesen Kaufrausch erlebt, als ich in einem Buchladen war und mich im Endeffekt mit mehreren Kilos an Büchern nach Hause geschleppt habe. Hier mein derzeitiger Bestand an DVDs und Büchern:

Momentaner Bestand an DVDs und Büchern
Momentaner Bestand an DVDs und Büchern

So wie ich mich kenne wird dieser Berg noch wachsen hihi 🙂

Also bis dann,

Пока, пока друзья.

314.

Zamreiß’n heißt’s – der Abflug naht!

Nur mehr 6 Tage bis zum Flug – Grundgedanke der letzten Tage: „Ich darf XY nicht vergessen“ – Allgemeine Aufruhr in Familie und Freundeskreis.

Lange ist es her seit ich das letzte mal hier meine Gedanken niedergeschrieben habe. Jetzt wo ich wieder geerdet bin, meine Gedanken (so halbwegs) geordnet sind und die meisten Vorbereitungen abgeschlossen sind, finde ich auch für meinen kleinen Blog und für euch hier wieder Zeit.

Vieles ist passiert in den letzten Wochen, vieles musste erledigt werden – eines der wichtigsten Dinge war hier mein Visum. (an alle, die diese Bürokratie nicht so interessiert, wie sollte es auch, einfach beim nächsten Absatz weiterlesen!)
Die Einladung, die für den Visumsantrag absolut essentiell ist, war bereits am 8. Juli fertig, nur befand sie sich noch in Moskau. Am 14. Juli war sie dann auch schon in Wien an der Slawistik. (Für russische Postwege wirklich flott muss ich sagen!)  Sobald ich gewusst habe, wann ich die Einladung in etwa in Händen halten werden kann, habe ich auch schon einen Termin am Visazentrum in Wien (www.vhs-austria.com) beantragt. Anträge dort werden nur bis 15 Uhr entgegengenommen, zeitlich also auch wieder eine Herausforderung. Das Visazentrum (und nicht die russische Botschaft selbst) habe ich deswegen gewählt, weil es dort leichter ist auch kurzfristige Termine zu bekommen (eine gewisse Bearbeitungsgebühr muss man dort jedoch trotzdem zusätzlich entrichten) und die Erstellung des Visums auch nicht so viel Zeit in Anspruch nimmt (in meinem Fall 7 Werktage). Das Visazentrum ist zwar direkt beim Ausgang der S-Bahnstation ‚Rennweg‘, aber trotzdem nicht gleich auf Anhieb zu finden. Trotz meines außerordentlichen Orientierungssinnes ( haha 😉 ) bin ich etwas herumgeirrt, bis ich den Eingang gefunden habe. Zur Info: Das Visazentrum ist direkt in dem Glasgebäude beim Ausgang der Station über dem Café, man muss also beim Café den Eingang nehmen und in den ersten Stock hochgehen.
Lange Rede – kurzer Sinn: Das Visum klebt in meinem Pass und die Hürde Bürokratie ist einstweilen überwunden.

Kostenpunkt Visum: etwa 70€ Visum + 20€ Bearbeitungsgebühr

Für alle, deren Augen die letzten Zeilen überlesen haben, weil Bürokratie und so – hallo zurück 🙂 Das folgende Thema, meine kleine(n) Abschiedsfeier(n), wird wohl weniger trocken sein (hihi – im wahrsten Sinne des Wortes).
Weil vier Monate keine kurze Zeit ist, und ich die Zeit im Kreise meiner liebsten sehr genieße, wollte ich alle ein letztes Mal vor der Russlandreise noch bei mir haben. An einem Abend habe ich jene Personen meiner (doch recht großen) Familie eingeladen, die mir am nächsten sind. Mit der tollen Unterstützung meiner Eltern und meines Bruders ist dieser Abend herrlich geworden – gemütlich war’s, Schnitzel gabs natürlich, sowie Lagerfeuer und traumhaft warmes Wetter, wie bestellt. Hier auch nochmal ein großes Danke an meine Familie, ich habe den Abend mit euch wirklich sehr genossen! (Goli, falls du das mal lesen solltest, bitte nicht wieder weinen 😉 ) An einem anderen Abend habe ich meine Freunde in eine tolle Bar im 8. Bezirk eingeladen. (www.nachbar.co.at; wirklich zu empfehlen – nettes Personal, gutes Essen und relativ günstige Preise) Genau mit diesen Menschen verbringe ich in Wien meine Zeit, treibe Späße, führe ernsthafte Gespräche und erlebe wunderbare Momente. Sie alle sind wichtige Menschen für mich ,und gerade deswegen schätze ich ihre Meinungen und ihren Rat sehr. Diese Meinungen werde ich auch weiterhin gerne hören, nur eben aus einigen hundert Kilometern Entfernung.

Einige hundert Kilometer muss ich aber auch erst einmal zurücklegen – gebucht habe ich dafür einen Flug am 26. August von Wien nach Moskau. Den Flug habe ich erst gebucht, nachdem ich mir sicher war, dass das Visum bis dorthin auch ausgestellt worden sein wird. (holy crap – Zustandspassiv Futur II?) Übers Internet habe ich also Ende Juli gleich mit meiner neuen Kreditkarte ein One-Way Ticket bei Aeroflot gekauft. Wegen der recht kurzfristigen Buchung durfte ich für eine Richtung Wien – Moskau rund 200€ auf den Tisch legen.

Mit 20 Kilo im Gepäck nach Russland? Wie soll denn das nur funktionieren?

Das Kofferproblem, nämlich das, wie ich mit NUR 20 Kilo vier eher kalte Monate in Russland überstehen soll, ist endlich gelöst. Nachdem ich mit mir selbst einig geworden bin, dass 20 Kilo schlicht und einfach NICHT MÖGLICH sind für mich, habe ich auf http://www.aeroflot.ru die Lösung meines kleinen Dilemmas gefunden. Um 50€ kann ich ein zusätzliches Gepäckstück am Flughafen aufgeben. Ginge das nicht, wäre das Packen ECHT schlimm geworden. (Wer mein Gepäck für mein 5-wöchiges Sprachcamp in WIEN gesehen hat, weiß, dass ich das für vier Monate Russland mit einem Koffer nie im Leben geschafft hätte 😀 )

Noch ist mein Gefühlszustand etwas am Schwanken. Ich freue mich auf die Reise, auf ein Semester voller Abenteuer – andererseits ist es auch ein Sprung ins kalte Wasser, eine Reise mit einem Zielort, an dem ich noch kaum jemanden kenne und die Sprache nicht fließend spreche.

Was mich erwarten wird, weiß ich noch nicht.
Wen ich dort treffen werde, kenne ich jetzt noch nicht.
Was ich dort lernen werde, das kann ich mir noch nicht einmal ansatzweise vorstellen.

Was ich aber schon weiß, ist, dass es eine unvergessliche Zeit wird.
Was ich auch schon kenne, das ist die fremde Kultur und meine Offenheit gegenüber Neuem.
Wovon ich auch schon Ahnung habe, das ist die Sprache. Nicht perfekt, aber immerhin zum Verständigen reichts.

Wer nicht wagt, der nicht findet.

Bedeutender als überhaupt zuvor: Пока, пока друзья!

314.