anderes Land – anderes System

Monatlich den Kurs bezahlen. Wer glaubt, dass das hier einfach mal schnell mit Online-Banking in 5 Minuten erledigt ist, der liegt ziemlich daneben.
Ein kurzer Auszug aus dem Leben, wie es wirklich ist.

Einmal bezahlen, inklusive Spaziergang.
Einmal bezahlen, inklusive Spaziergang.

„Neue Facebook-Benachrichtigung“ – mit dieser Notifikation erwarte ich mir entweder Informationen über irgendwelche Veranstaltungen, likes oder Statusupdates. Eine Statusaktualisierung ist es allemal – die monatliche Erinnerung unseres Administrators ans Bezahlen.

Augenrollen, Aufseufzen – das ganze Prozedere vom Oktober schon wieder.

Der erste Weg (blau im Bild oben) führt mich vom Korpus 4 (Studentenwohnheim) in den Korpus 3. Im Büro des Administrators muss ich dann selbst zählen, wie viele Einheiten des Kurses ich im laufenden Monat besuchen werde.
Nur die Zahl die ich angebe, die muss ich auch bezahlen. Ob irgendjemand kontrollieren würde, ob ich in mehr/weniger Einheiten anwesend bin, als ich bezahle, ist fraglich. Wohl eher nicht, aber man ist ja ehrlich.

Pro Einheit (1,5h) zahle ich 1200 Rubel. Zusätzlich zum Kurspreis zahle ich noch den für die UniWien fixierten Monatspreis von 170€ für 12 Sprachkurseinheiten pro Woche. Mit dem aktuellen Wechselkurs in Rubel umgerechnet wird der Gesamtbetrag auf eine Rechnung gedruckt.
Wer jetzt denkt ich könne den Betrag einfach so via Online-Banking bequem überweisen, irrt sich gewaltig – der Bezahl-Marathon hat eben erst begonnen. Überweisen geht nicht, Bargeld wollen sie haben. Mein nächster Anhaltspunkt dieser universitären Schnitzeljagt liegt also jetzt im Korpus 1 – die Geldautomaten.


Das muss man wissen zu: Geldautomaten
Auch das Geldabheben funktioniert nicht so einfach, wie man es sich vorstellen mag. Abhängig von der zuständigen Bank können wir Beträge von maximal 6000 (86€) -10.000 Rubel (143€) abheben. Die Bankomaten an der Uni spucken in unserem Fall nur maximal 7.500 Rubel (107€) aus. Sollte man also einen größeren Betrag abheben wollen, geht das so:
Karte einziehen – 7.500 Rubel abheben (etwa 2€ Transaktions und Wechselgebühr), Karte entnehmen.
Karte einziehen – 7.500 Rubel abheben (wieder etwa 2€ Gebühr), Karte entnehmen etc.
Man sieht – ein nervenschonender (und günstiger) Prozess sieht anders aus.


Das Bargeld habe ich bei Station 2 (Korpus 1) endlich in der Hand, weiter geht’s zum Hauptgebäude (Korpus 6).
Dort gibt es ein kleines schummriges Kammerl (die universitäre Kassa) mit einem bahnhofsähnlichen Schalter, an dem man sowohl die Rechnung als auch den Geldbetrag abgeben muss. Nachdem die Angestellte ihren Kaffee fertig getrunken und sich dabei hoffentlich nicht die Finger verbrannt hat, den Plausch mit der Arbeitskollegin mit einem seufzenden „Na gut, dann halt…“ beendet und sich meiner Rechnung zugewandt hat, gibt sie mir eine Bestätigung über den Eingang der Bezahlung und schickt mich wieder auf den Weg. NEIN, wir sind noch immer nicht fertig! DENN:

Die Administration meines Fremdspracheninstitutes weiß ja noch nicht, dass ich bezahlt habe.  (Intranet, gemeinsame Server, oder wie auch immer es heißt existiert anscheinend nicht zu diesem Thema – es gibt kein Dokument über meine Bezahlung, zu dem beide Parteien Zugriff haben) Also mache ich mich wieder auf den Rückweg (rot am Bild) zum Korpus 3, um dem Administrator meine Zahlungsbestätigung zu zeigen. Er macht schlussendlich noch eine Kopie und … frei bin ich – nach einem halben Wandertag über den Campus habe ich es wieder für ein Monat hinter mich gebracht.

Bis Dezember, Bürokratie!

Sollte sich nocheinmal irgendjemand, IRGENDJEMAND, über das Univis/U-Space der UniWien beschweren, über irgendwelche Zahlungsvorgänge oder Ähnliches. Ihr seit herzlich eingeladen im Dezember die Schnitzeljagt von neuem ‚durchzuspielen‘.

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Vladivostok – einmal um die halbe Welt und zurück

Ein paar Tage sind schon wieder vergangen seit meiner Rückkehr aus Vladivostok, die Eindrücke und Erinnerungen bleiben.

Schwierig ist es all die tollen Dinge in Worte zu fassen, das was ich dort erlebt und vor allem gesehen habe. Meine Fotos schaffen es nur annähernd die Stimmung festzuhalten.

Am Hinflug vom Abendrot begleitet

Die Stadt selbst, Vladivostok, kann man unter anderem als eine Mischung aus Wien und San Francisco sehen. Die Gebäude sind wirklich sehr schön, teilweise alt, teilweise sehr modern. Im Stadtzentrum gibt es keine richtig schlimmen ‚Wohnbunker‘, wie wir sie aus Moskau kennen. Eine große Menge an Bars, kleinen Cafés, Restaurants und kleinen Geschäften macht die Stadt lebendig. An das Meer rund um die Stadt sind die Bewohner schon gewöhnt, für uns war es aber etwas Außergewöhnliches, ein Kontrast zu Moskau. Am Ufer entlangzuschlendern, der Sonne beim Verschwinden hinterm Horizont zuzusehen – einfach unglaublich. Äußerst schwer hat es uns die Zeitverschiebung und der lange Flug gemacht. Mit einer Zeitverschiebung von 7h nach Moskau und einem 8 Stunden Flug sind wir nach Moskauer Zeit spät abends, nach Ortszeit aber früh morgens in Vladivostok angekommen. Niederlegen und schlafen war für uns aber absolut keine Option.

Zeitverschiebung - so a Hund

Unser erster Weg an Tag 1 im fernen Osten ging natürlich sofort ans Meer. Vom Hostel aus dürften es etwa 3 Minuten zu Fuß zum Meer sein – wir wollten aber sofort an die untere Spitze des Festlandes, zum bekannten Leuchtturm. Die vielen Eindrücke, die salzige Meerluft und die tollen Aussichten können durch die Fotos nur annähernd festgehalten werden.

so weit das Auge reicht
So weit das Auge reicht – Meer

Am Samstag, als alle vom JetLag erholt waren, haben wir eine geleitete Tour auf die Insel Russkij gemacht. Am Vorabend habe ich noch bei einem privaten Veranstalter angerufen, dessen Nummer ich im Internet gefunden habe, und diese Tour gebucht. (Auf russisch, beim ersten Anlauf, ohne Kommunikationsprobleme – check :D) Wir sechs sind gemeinsam mit unserer Gruppenleiterin Elena, die selbst auf der Insel geboren wurde, in einem alten Minibus auf die Insel gefahren (Und das, obwohl ich mir gesagt habe kleine Kastenwägen in Russland zu meiden haha). Etwa 5 Stunden lang haben wir verschiedenste Plätze auf der Insel besichtigt, Bunker besucht und russische Militärstützpunkte erkundet.
Zu diesem Zeitpunkt ist mir erstmals bewusst geworden, wie groteskt diese Dinge eigentlich sind.
Die Kanonen, überall in Vladivostok und allgemein in Russland verstreut,die vermutlich einmal Menschenleben gefordert haben, stehen einfach so im Freien herum. Menschen, auch wir, machen Fotos mit diesen Geräten – ja wir haben es gesehen, wir waren dort. Kinder setzen sich auf die Militärmaschinen, drehen sich, spielen darauf, als wäre es ein ganz normales Spielzeug. Das ist es aber nicht, es ist echt. War echt und und hat wirklich funktioniert – auch wenn man sich das in dem Moment nicht vorstellen kann und möchte.

Kinder spielen auf den Militärgeräten wie auf Spielzeugen
Kinder spielen auf den Militärgeräten wie mit Spielzeugen

Im Zentrum Vladivostoks kann man auch ein russisches U-Boot besichtigen. Im Inneren befindet sich ein zu einem Museum umgebauter Teil, der hintere Teil sieht originalgetreu aus, soweit ich das als Laie beurteilen kann.

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U-Boot

Am Weg zu der Insel Russkij haben wir von der Brücke den ganzen Hafen überblicken können. Und genau da habe ich mein erstes richtiges U-Boot gesehen. Riesengroß, schwarz und nur ein kleiner Teil davon war über Wasser zu sehen. (logisch^^) Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie mit Militärschiffen geschweige denn U-Boot-Flotten zu tun – ein Eindruck der nicht so schnell zu vergessen ist. Erst als ich die Geschosse auf dem Militärschiff mit eigenen Augen gesehen hatte, die Crew zum Sport am Landgang von Trompeten begleitet wurde, wurde mir klar, dass das kein Museum, keine Erzählung, sondern alles WIRKLICH ist. Es klingt jetzt vielleicht naiv, wenn ich sage, ich konnte mir so etwas nie vorstellen. Aber sind wir uns ehrlich – wer kann sich ein richtiges U-Boot oder ein Militärschiff vorstellen und dazu auch das eigenartige erschaudernde Gefühl fühlen, wenn er es noch nie selbst erlebt oder gesehen hat.

Ein kleiner Exkurs mit meiner persönlichen Meinung: Eben auf Grund unserer österreichischen Geschichte werden historische Punkte nicht so propagiert wie hier in Russland. Nicht nur in Vladivostok sondern in ganz Russland zeigt sich diese Propaganda auf Plakaten. Der Grund liegt darin, dass es sich dieses Jahr jährt , 2015, das Siegesjahr von 1945. Auf riesigen Plakaten ist geschrieben „Unser Sieg – 70 Jahre“, dazu abgebildet starke Soldaten der russischen Armee. Dieses Land hat eine andere Beziehung zu Krieg, zum Militär allgemein. Ich denke mir immer mehr, dass es uns in Österreich so gut geht, dass wir es kaum mehr zu schätzen wissen, dass wir in einem Land ohne Krieg leben dürfen. Wenn man in die Ukraine oder nach Syrien blickt, wo derzeit die Hölle brennt, möchte ich mir gar nicht vorstellen wie es den Menschen gehen muss, die diese Kriegsgeräte, die ich hier in Russland als „stillgelegte“ gesehen habe, live erleben müssen. Wenn ich daran denke, welch ein unangenehmes Gefühl ich schon alleine beim Anblick der erkalteten Maschinen oder der im Hafen angelegten Militärschiffe empfunden habe, ist die Realität noch unglaublicher.

Das ist eine Erfahrung die mich reicher macht, mir vielleicht andere Blickwinkel eröffnet und die ich nichtsdestotrotz auf gar keinen Fall missen möchte.

пока пока, друзья!

314.

Zwei Ringe sind einer zu viel?

Auslandssemester – die sinnvollste Investition. Ein iPhone kann kaputt gehen, Erfahrung durch Kultur und Sprache bleibt ewig.

Erst 1.5 Monate im Ausland, aber ich kann schon jetzt auf jeden Fall jedem zu einem Auslandssemester raten. Die Erfahrungen, die ich in den letzten Wochen gemacht habe, lassen sich nicht einfach in Worte oder Bilder fassen. Einerseits erfordert ein Auslandssemester Überwindung, seine gewohnte Umgebung zu verlassen und Neues auszuprobieren. Hinzu kommt die Offenheit, sich komplett neuen Menschen anzuvertrauen, ihnen eine Chance zu geben einen selbst als Person kennenzulernen. Personen, die aus den unterschiedlichsten Ländern kommen, andere Traditionen und andere Einstellungen haben. Hier gilt es dann Gemeinsamkeiten zu finden, Werte, die man teilt – aber auch Punkte, die einen unterscheiden. Und genau diese Punkte sind ausschlaggebend dafür, dass man Einblick in andere Kulturen bekommt.
Seien es die ewigen Diskussionen zwischen uns Österreichern und unseren deutschen Kollegen, ob wir jetzt in die Bar „hinschau’n“ oder „rübergehen“, ob wir „Palatschinken“ oder „Pfannkuchen“ machen. Oder etwa die Tatsache, dass österreichische Studenten ein viel ruhigeres Studentenleben führen als etwa japanische Studenten (ein japanischer Kollege bezeichnet den Großteil seine Landsleute als Workaholics).

Darf ich dich etwas Persönliches fragen? Warum trägst du zwei Ringe?

Der wohl interessanteste Punkt, über den ich euch hier erzählen möchte, ist mein Schmuck. Ja genau, meine beiden Ringe, die ich sowohl am rechten wie auch am linken Ringfinger trage. Beide sind Geschenke meiner Eltern, für mich Accesoirs, die ich tagtäglich trage, ohne große Hintergedanken.
In Russland aber hat man durchaus Hintergedanken über Ringe an den Fingern von jungen Damen. Vor allem dann, wenn sie gleich zwei davon an ihren Händen trägt. Mindestens 4x bin ich schon angesprochen worden, ob ich denn schon verheiratet sei, oder warum ich denn gleich ZWEI Ringe trage, ob das eine spezielle Bedeutung habe. In Wien wurde ich noch kein einziges Mal auf meine Ringe angesprochen, beide sehen jetzt auch nicht unbedingt wie Verlobungs- oder Eheringe aus würde ich sagen.
Da man hier aber auch schon durchaus in recht jungem Alter heiratet (ab 19, 20) wäre ich schon absolut im russischen Heiratsalter (Betonung auf Konjunktiv: WÄRE) und ein Ehering an meinem Finger wäre nach russischer Tradition auch nicht so unwahrscheinlich.
Warum ich jetzt also so häufig auf meine Ringe angesprochen werde, wird mir vermutlich nicht 100% klar werden, aber einfach als kultureller Aspekt in Erinnerung bleiben.

Und weil ich ja so ungern auf nur einem Platz verweile….

Ein anderer kultureller Aspekt, mit dem ich nun endlich rausrücke (hihi) ist meine geplante Reise nach Vladivostok. (Neues Tab –> Öffne Google Maps –> Suche ‚Vladivostok, Russia‘ —> …. –> Mund zu, es ist wirklich so weit weg!) 🙂
Von 28.Oktober bis 2. November geht es mit einem 8-9-Stunden-Flug in eine Stadt, die auch ‚San Francisco des Ostens‘ genannt wird. Von Nordkorea, China und Japan nur einen (russischen) Katzensprung entfernt werden wir für einige Tage den östlichsten Osten Russlands erkunden. Durch die asiatische Kultur schon sehr geprägt erwarten wir uns viele asiatische Händler, viel asiatisches Essen und eine wunderbare Stadt.
Eigentlich wollten wir um ein Visum nach Nordkorea ansuchen, die Bearbeitungsdauer dauert aber etwa 2 Monate – eine Zeit, die wir nicht haben. Schade 😦

Nach Vladivostok wird mein Reisefieber aber noch immer nicht erloschen sein, daher fliegen wir Mitte November für eine Woche nach Sochi. Im Süden, wo es vermutlich etwas wärmer sein wird, als im nördlicheren Moskau, freue ich mich schon vorallem auf das Meer und die Olympiastadt 🙂

Eine weitere Reise ist noch geplant, das Ziel verrate ich aber noch nicht – bleibt noch ein Geheimnis! 🙂

Wenn Ines nach Russland fährt, dann kommt ihre WG sie natürlich besuchen. Ist doch klar!

Mein erster Besuch aus Österreich ist am Freitag in Sheremetevo gelandet. Meine Mädls haben beschlossen mich hier in Moskau zu besuchen und das Land kennenzulernen, dessen Landessprache ich lerne.Wir haben viel gesehen, sind viel herumgelaufen und haben unsere gemeinsame Zeit absolut genossen.
Mädis, war so schön wieder euch um mich herumzuhaben, mit euch zu quatschen, Wien nach Moskau zu bringen und euch einfach zu sehen. In dieser Konstellation werden wir uns vermutlich erst in einigen (vielen) Monaten wieder sehen, ich freue mich schon wieder darauf! 🙂

Und wer sich jetzt fragen sollte, JA ich bin auch noch an der Universität, ich lerne brav, rede und schreibe fleißig auf Russisch – etwas anderes würde mir hier kaum übrig bleiben 🙂

Natürlich gehe ich auch immer um spätestens 22 Uhr schlafen, trinke nie Vodka und beschäftige mich ausschließlich mit meinen Kursunterlagen. (IronieOff) 😀

Genug mit Scherzen, neue Fotos sind schon online, zu sehen in der Fotogalerie 🙂

Пока, пока друзья!

314.

Vodka und Bücher – davon lebt man in Moskau (?)

Erstes Augenmerk auf ‚typisch Russisches‘ – Bücherrausch und Grillgenuss

Es gibt ein paar Dinge, die sich hier einem Ausländer wie mir nach kurzer Zeit einfach bemerkbar machen, weil sie schlichtweg anders sind als zu Hause. Eine dieser Eigenheiten spielt sich an jenem Platz ab, an dem wir neben dem Unicampus die meiste Zeit verbringen: die Bar/das Restaurant. Wie es für uns Wiener Studenten oft üblich ist wollten wir auch hier am Tisch unsere Konsumation getrennt bezahlen. Nix da – bei der Frage nach der Rechnung bekommen wir einen Umschlag mit der gesamten Rechnung, einzeln kassieren möchte bei uns niemand. Jeder muss sich selbst seinen Geldbetrag ausrechnen und in das Kuvert geben. Also am besten immer Scheine in verschiedenen „Wertigkeiten“ mitbringen und die Kopfrechenkünste auf Vordermann bringen! 😉

Wenn wir nicht im Lokal konsumieren, dann kaufen wir bei unseren Supermärkten des Vertrauens ein (im ersten Monat ‚erst‘ ein einiziges Mal verschimmelten Tiefkühlfisch gekauft! (: ) Abgesehen von diesem Zwischenfall sind die Supermärkte hier natürlich einwandfrei.
Und auch hier eine Eigenheit der Moskauer Supermärkte. Eine Phrase, die man spätestens nach einer Woche auswendig kann: „Paket nuschen?“ Was so viel heißt wie, „Wollens a Sackerl a?“ Zusätzlich kommt meistens noch im selben Atemzug mit der Sackerl-Frage die Frage nach der Kundenkarte des jeweiligen Geschäftes. Viele Russen sind von diesen beiden Fragen schon teilweise genervt, sodass sie, bevor die Kassiererin zu ihrem Gsatz’l kommt sofort harsch „Karte hab ich nicht, Sackerl brauch i ned“ sagen. Mal sehen wie ich am Ende des Semesters auf diese Fragen reagiere haha 🙂

Eine riesengroße Versuchung hier in Moskau sind die unzähligen Buchläden. Erst gestern und vorgestern war ich wieder (mittlerweile das 2. oder 3. Mal) in einem Buchladen. ICH KANN EINFACH NICHT DARAN VORBEIGEHEN! (Die Schuh- und Handtaschenphase der Vorjahre ist jetzt wohl in eine Sammelleidenschaft an Büchern übergegangen) Wäre ja alles nur halb so schlimm, wenn diese Bücher nicht noch eine Reise von über 1000km zurücklegen müssten. Und auch das wäre nur halb so schlimm (mittlerweile vom Ganzen nur mehr 1/4 hihi ), wenn es gestern nicht -25% auf alle Utensilien im Biblio Globus bei der Metrostation Lubjanka gegeben hätte. Ein Pushkin, Tschechow, Majakovskij und noch ein paar zeitgenössische Bücher – alles hat seinen Weg in meinen Einkaufskorb gefunden.
Liebe Mama, lieber Papa, mein lieber Bruder – nicht zu viel Gepäck mitnehmen nach Moskau, ich gebe euch viel mit nach Hause 😀

Anscheinend gibt es auch die Möglichkeit Bücher günstig nach Hause schicken zu lassen. Dabei werden die Bücher in Plastikfolie eingewickelt und paketähnlich verschickt. Wie das abläuft, was es genau kostet und wie lange es dauert weiß ich noch nicht- aber irgendjemand wird es vermutlich (hoffentlich) ausprobieren.

Die Bücher kaufen wir ja nicht nur aus Jux und Tollerei (hauptsächlich eigentlich schon, aber nicht ausschließlich), denn unsere lieben Professoren empfehlen uns auch so manchen Buchkauf für den Unterricht. Neben Buchempfehlungen gibt es bei einer unserer Professorinnen noch eine ganz besondere Empfehlung. Das Vodkamuseum. Nicht nur eine Empfehlung sondern eine Exkursion soll es sein, mit ihr, gemeinsam, natürlich mit Verkostung meint sie (ohne wäre es zwar billiger, aber sie will keine halben Sachen haha) – also werden wir in der nächsten Zeit eine Exkursion ins Vodkamuseum machen – hurraa!

Apropos Vodka, JA, man trinkt ihn hier häufig, aber es wird auch Bier getrunken, keine Sorge. Die Vodkaregale sind zum Bersten voll, ein Semester alleine würde nicht ausreichen um alle Sorten aus unserem kleinen Supermarkt auszuprobieren. Nicht, dass ich an Herausforderungen nicht wachsen würde – diese Herausforderung muss ich aber leider aus gesundheitlichen Gründen zurückweisen 😀

Neben Vodka gibt es noch eine typische Sache, die man hier in Moskau LIEBT. Und das ist das Schaschlik-Grillen. Am Sonntag am späten Nachmittag haben wir uns zu sechst auf den Weg zum Ufer des Moskau-Flusses gemacht. Echte Moskowiter hatten wir natürlich dabei, die uns gezeit haben, wie der Hase beim Schaschlickgrillen läuft. An der Uferpromenade kann man an fixierten Feuerstellen selbstständig grillen; Zutaten und ‚Grillutensilien‘ sind selbst mitzunehmen. Während am Nachbartisch russische Lieder gesungen wurden haben wir uns den Bauch mit herzhaft saftigen Schaschlikspießen, Grillkartoffeln und gebratenen Zuccini vollgeschlagen. Hinter uns ist die Sonne untergegangen und hat uns am letzten warmen Tag dieses Jahres noch mit einer traumhaften Atmosphäre versorgt. Schaschlik-Grillen ist zwar typisch russisch, aber eine Tradition, die ich gerne mit nach Österreich nehmen werde.

Schaschlik-Grillen

Nachdem eben dieser der Bab’e Leto (Altweibersommer), die letzten warmen Tage im Herbst,  auch vorbei ist, hat das kalte Wetter auch uns in Moskau erreicht. Bei etwa 3° Celsius sind wir heute um 7 Uhr morgens mit dem Zug etwa 3h nach Ryazan gefahren. Neben einem langen Fußmarsch ins Zentrum, inklusive Leninstatue (weils die einfach in JEDER Stadt gibt) haben wir den Tag im Kreml verbracht. Wirklich wunderschöne Kirchen bei strahlend blauem Himmel – ein wunderbarer Tagesausflug mit einem Zugticket um 450 RUB (~6,50€) hin und retour. Mit unserer ÖBB absolut nicht zu vergleichen 😉

Fotos werden wie üblich in der Fotogalerie hochgeladen. (:

Пока, пока друзья.

314.

„Was interessiert mich denn dieses Papierl?“- Die Wichtigkeit eines Reisepasses

Über eine Reise nach Nizhnij Novgorod, die nicht bis nach Nizhnij geführt hat , einen russischen Pel’meni-Abend, das ständige Problem à la ‚russische Remont‘ , einen ‚klitzekleinen‘ Buchkauf und einem Besuch im Gipsy-Club.

Ich melde mich zurück mit einer Menge an Erlebnissen, die ich unbedingt erzählen muss, weil einfach RUSSLAND!

Am Mittwoch letzte Woche, 16. September um genau zu sein, wollten wir zu dritt mit dem Zug nach Nizhnij Novgorod fahren. (Am Bild hier seht ihr, dass es nicht ganz so nahe ist, wie man es vermuten würde, wenn der Russe die Entfernung mit ‚ganz nahe‘ bezeichnet)

Mit dem Zug etwa 4 Stunden von Moskau nach Nizhnij. Für russische Verhältnisse ist das ja eh
Mit dem Zug etwa 4 Stunden von Moskau nach Nizhnij. Für russische Verhältnisse ist das ja eh „sehr nahe“.

Wir haben die Tickets online (nach einigen Komplikationen) um etwa 30€ für Hin-Retour gekauft, extra an einer Druckstation an der Uni auch ausgedruckt und sind damit dann (zwar etwas knapp) am Mittwochmorgen zum Bahnsteig gelaufen.  Jetzt kommt das große ABER: Aber wir hatten nicht bedacht, dass es ein Problem werden könnte, dass wir nur eine Passkopie bei uns tragen. Denn in Russland muss man sich anscheinend IMMER und ÜBERALL ausweisen können. Ein Dokument der Universität mit der Bescheinigung, dass der Reisepass gerade für die Visaverlängerung eingezogen wurde und daher nur eine Kopie vorliegt, wird schlichtweg einfach nicht akzeptiert. Mit den Worten des Kontrolleurs, der uns bei den Wagontüren aufgehalten hat: „Was interessiert mich denn dieses Papierl? Ihr fahrts hier ohne Pass nicht mit!“ Drei Mädls mit Tickets um insgesamt fast 100€, den Schlaf noch in den Augen (5:45 Uhr aufstehen – was ist denn das auch für eine Zeit?) haben also dann am Bahnhof versucht, das Geld zurückerstattet zu bekommen. Ob bzw. wann das Geld letztendlich auf die Karte zurücküberwiesen wird, steht noch in den Sternen – rein rechtlich aber steht uns das Geld zu. (Danke Stas fürs Nachschauen!)
Jetzt aber eine andere Frage: Was tun an einem Uni-freien Tag, an dem man schon mit Müh und Not (ZU) früh morgens aus dem Bett gekrochen ist?  – Natürlich! Zur Anzeigetafel gehen, einen Nahverkehrszug aussuchen, in dem es keine Passkontrolle gibt, und die Moskauer Gegend erkunden. Wenn schon nicht weit weg fahren, dann immerhin irgendwohin weg fahren.  Um 30 RUB (~40c) gings für uns also nach Kuskovo und dort haben wir bei strahlendem Sonnenschein einen dann doch noch tollen Tag verbringen können. Neben dem Sommerschloss der Familie Sheremetev gabs dann auch noch eine mehr oder weniger sichere Fahrt auf einem Ruderboot am angrenzenden See. (mehr Fotos in der Galerie)

Selfie am Ruderboot
Selfie am Ruderboot, Boot gegenwärtig unter der Kontrolle von Kapitänin Julia B. 😀

Am nächsten Tag nach der Uni gabs dann einen „Pel’meni-Abend“. Für jene, dies nicht kennen – Pel’meni sind ähnlich wie Tortellini, also auch Teigtaschen mit Fleischfüllung. Neben diesen Teigtaschen haben wir auch noch Wareniki vernascht – ebenfalls Teigtaschen aber mit unterschiedlichen Füllungen erhältlich (Frischkäse, Pilze, Kartoffeln, Beeren,…). Ganz typisch russisch hat natürlich auch die сметана (Smetana, ~Sauerrahm) nicht gefehlt.
Anfangs hab ich dieses typisch russische Essen noch etwas kritisch gesehen, aber mittlerweile könnte ich mich in Pel’meni mit Sauerrahm einwickeln – hmmmm 🙂

Woran ich nicht so viel Gefallen finde, wie an den Pel’meni und dem russischen Essen allgemein, das ist die ständig andauernde REMONT (Reparatur- und Montagearbeit).
„Der Gehweg ist zu schmal, machen wir mal einfach neu (weil Russland das ja kann) und lassen wir die Leute auch noch um halb 1 Uhr nachts daran arbeiten (weil Russland das ja kann). Stellen wir das Wasser für den Winter um und lassen die Leute einfach mal bis zu einer Woche ohne warmes Wasser leben (weil Russland das ja kann). Und geben wir ihnen dazwischen einen Abend warmes Wasser, damit sie glauben die Remont ist vorbei, und drehen es danach einfach wieder ab (weil Russland das ja kann). Stellen wir das System für Studententickets in der Metro um – zu SEMESTERBEGINN – und lassen die Austauschstudenten durch die Finger schauen (weil Russland das ja kann)….“ Dieses Schema könnte noch lange fortgeführt werden, aber ich denke man bekommt damit etwa einen Einblick 🙂

Etwas positiver sind meine Erinnerungen an den Ausflug in den Zoo in Moskau. Immer noch hatten wir wirklich (~20 Grad, wir wollen ja nicht übertreiben) warmes Wetter und einen freien Freitag-Nachmittag. Der Бабье-лето (Bab’e-Leto = Altweibersommer) läutet das Ende des Sommers, bzw. der schönen angenehm-warmen Herbstzeit ein und kündigt baldiges kaltes Wetter an. (brrrr… )
Am Abend wars dann soweit – ich habe mich entschieden das erste Mal in Moskau in einen Club zu gehen. (Alle die mich kennen wissen, dass ich eine gemütliche Bar einem Club ABSOLUT vorziehe und diese laute Musik und das Tanzparkett doch eher selten aufsuche) Da ich aber in Moskau bin, dachte ich mir: Warum denn mal nicht probieren? (Fotos vom Club selbst findest du hier: https://instagram.com/explore/tags/gipsyonelove/ )
Um 0.30 mit der Metro noch in den Club gefahren, mit Ausländerbonus in den Club eingelassen worden, den Club mit riesigen Glaswänden und Palmen bewundert, ein Bier getrunken, etwas getanzt und einen Russen abgewimmelt –  um 3 Uhr dann ab ins Taxi und zu viert zurück ins Studentenwohnheim. (Taxifahrer übrigens in Moskau immer zuerst nach dem Preis fragen und weit hinunterhandeln – ansonsten besteht Abzock-gefahr! Die Taxipreise sind absolute Verhandlungssache!) Das Club-Problem abgehakt steht uns ein nächstes Problem bevor: Der Eingang zum Campus ist abgeschlossen. (Zwischen 1 und 6 Uhr ist der Campus üblicherweise abgeschlossen, er wurde aber auch schon um 3 Uhr als nicht-verschlossen aufgefunden, daher unsere Hoffnung auf offene Türen) Neben dem Eingang gibt es aber ein Eisentor, das nicht 100% abschließt, und bei dem man die Flügel auseinanderhalten kann und durchhuschen kann. (Für unsere Sicherheit ist das allgemein nicht unbedingt vorteilhaft, schließlich könnte jeder dort in den Campus gelangen, aber immerhin konnten wir in dieser Nacht in unser Studentenwohnheim zurück)

Gut ausgeschlafen haben wir uns am nächsten Tag zum Shoppingcenter „Aviapark“ aufgemacht, um in unserem Lieblingssupermarkt „Ashan“ alles nötige einzukaufen. (Man kann sich das wie einen riesigen Metro-Shop vorstellen, auf zwei Stockwerken, in dem man einfach ALLES kaufen kann) Eine warme Bettdecke gabs um etwa 12€ (erst mal die Decke an der Kassa nach dem Einkauf vergessen, beim Mittagessen daran erinnert und im Supermarkt dann Geld zurückbekommen um die Decke ein zweites Mal zu kaufen) Wenn es um Reklamationen und Retournierung von Geld geht, kann man den Russen absolut nichts vorwerfen! Im Shoppingcenter selbst gibt es zentral ein großes, nein ein riesiges Aquarium, das bis zur Decke des Shoppingcenters reicht. Seht selbst:

In eben diesem Shoppingcenter gibt es einen Mediamarkt (ja, unseren von zu Hause) und dort gibt es DVDs zu absolut unschlagbaren Preisen! Eine Game of Thrones Staffel kostet hier 499 RUB (~6,5€) im Vergleich auf Amazon.de kostet dasselbe Produkt 14€. Also habe ich hier gleich mal zugeschlagen und einige DVDs zu meinem Eigentum gemacht. Ebenso hab ich gestern Abend diesen Kaufrausch erlebt, als ich in einem Buchladen war und mich im Endeffekt mit mehreren Kilos an Büchern nach Hause geschleppt habe. Hier mein derzeitiger Bestand an DVDs und Büchern:

Momentaner Bestand an DVDs und Büchern
Momentaner Bestand an DVDs und Büchern

So wie ich mich kenne wird dieser Berg noch wachsen hihi 🙂

Also bis dann,

Пока, пока друзья.

314.

Fast ‚live‘ unterwegs

Ich bin gerade am Weg in die Innenstadt. Ja gerade, während ich schreibe. Was mir gerade links neben mir auf gefallen ist, ist ein Haus, das außergewöhnlich viel Stil hat. Für Moskau. Es besitzt einen kleinen Balkon im ersten Stockwerk verziert mit kleinen Säulen. Erinnert mich glatt ein wenig an Wien. Oder doch nicht, hier, am nächsten Gebäude, hier hängen Kabel raus, der Putz ist so dunkel, als ob es mal gebrannt hätte drinnen. Aber das wird nur die schmutzige Luft hier sein – vermutlich.
Jetzt kommt mir gerade eine Limousine entgegen, weiß, dahinter eine schwarze. Braut und Bräutigam? Die Autos knarren beim Vorbeifahren, Rost auf den Reifenkappen, in diesem Fall das billigste Unternehmen für die Hochzeit ausgewählt?
Jetzt gelange ich gerade an dir Hauptstraße, hört man schon von Weitem, 3 Spuren je Fahrtrichtung. Alle im Stress. Ich spaziere daneben her. Ich sehe über der Straße auch schon die Weihnachtsbeleuchtung. Es ist erst September! In kleinen Bögen über der breiten Fahrbahn. Aber vielleicht hängt sie auch das ganze Jahr, und ich habe bis jetzt nicht wirklich gesehen.
Links erhebt sich vor mir ein hohes Gebäude aus Glas. rosa. Warum diese Farbe weiß ich selbst nicht, scheint ein Hotel zu sein? Wirkt wirklich eigenartig in der Gegend mit all den alten grauen Gebäuden rundherum. Ich komme zum Belaruskij Vaksal, die Gebäude werden niedriger und bunter. Schöner. Orange, Türkis, Moskau du kannst doch etwas bieten. Mittlerweile sind es 4 Spuren je Fahrbahn, und was seh ich da? Ein VW Bus, und ein zweiter, knallgrün und gelb – ich glaubs nicht. Hier in Moskau.
Ein alter Mann neben mir links ist am Telefon. Was macht er da? Spuckt direkt neben mir auf den Boden. Ekelhaft.
Was ist mir gerade wieder passiert? Ich bin in die falsche Richtung gegangen. Also wieder zurück zu dem alten spuckenden Mann, den dunkeln Häusern und dem Zentrum Moskaus. Das hat man davon, wenn man am Handy herumtippt. Aber was sagt man so schön? Nur wer sich verirrt, lernt die Stadt am besten kennen. Gut, aber nicht, wenn man 5x denselben Fehler macht. Diese Straße kenne ich schon. Rechts wieder das rosa Gebäude. Gefällt mir immer noch nicht.
….
Hier auf de Tverskaja, schon wieder eine Limo, diesmal ein bisschen dekadenter unterwegs, mit Unterbodenbeleuchting und so. Stop hier links eine alte Frau, etwa 65-70, dunkelgrau, weiße schulterlange Haare steht hier mit Plakaten über dem Rücken und dem Bauch und verteilt Zettel. Ein Job, den viele hier in Moskau machen um sich etwas dazuzuverdienen. Stehen und Zettel verteilen, an die dies wollen oder auch nicht wollen.
Links vor mir am Gehweg steht eine alte Frau, sie hält ihre Hände auf, braucht Geld. Ich stecke meine Hände in die Jackentasche, nicht weil ich ihr Geld geben möchte, sondern um meine Hände zu wärmen. Ich habe aber Kleingeld in den Taschen. Wonach soll ich einschätzen können, ob sie das Geld mehr braucht als der Mann 100m weiter vorne? Ich überlege zu lange und gehe vorbei. Beim nächsten Mal, sowas lässt mich nicht in Ruhe.
Bei der nächsten Bank hebe ich Geld ab und gehe meinen Weg wieder zurück. Alle Geschäfte die ich brauche liegen jetzt auf meinem Weg zurück. Auch die alte Frau.

HEY, ja mich gibts auch noch! Der Unibeginn hat jetzt wieder mehr Zeit in Anspruch genommen – so viel Freizeit wie in der ersten Woche gibts nicht mehr! Aber langweilig waren die letzten Tage nicht, nicht in Moskau, nicht bei mir!

Am Wochenende, am Samstag, 5. September 2015 genauer gesagt, hat Moskau seinen 868. Geburtstag gefeiert. Und weil man in Russland nicht einfach mal nur ‚ein bisschen‘ feiert, haben die diesen Samstag mal so richtig auf den Putz gehaut. Die Hauptstraße – abgesperrt. Menschen – viele Menschen. Nicht ein Konzert – Ein ganzer Nachmittag/Abend volles Programm (Aerosmith, John Newman, Polina Gagarina, etc.)
Auf der Tverskaja-Straße waren verschiedene Stationen, bei denen Schauspieler verschiedene traditionelle Situationen nachgestellt haben. Natürlich perfekt für den russischen Fotografier-Zwang. Alleine an diesem einen Tag auf dieser einen Straße wurden glaube ich mehr Selfies gemacht, als in Wien in einer ganzen Woche. Eine Frau auf Stelzen, etwa 4m groß, stand da für mehrere Stunden rum, um sich von Foto-fanatischen Russen (und uns) ablichten zu lassen. Die ganze Stadt schien in Aufruhr gewesen zu sein.
Auf einem großen Platz am Ende der Tverskaja-Straße war eine Bühne aufgebaut, wo den ganzen Tag über verschiedene Künstler vor zig-tausenden Leuten performten. Da ganz Moskau natürlich nie und nimmer zu einem Konzert gehen kann (12 Mio. auf einem Platz?) gabs entlang der Tverskaja Videowalls, wo man auch abseits dieser Bühne am Konzert teilhaben konnte. Nun ja, ein Stadtfest, das sich sehen lassen kann.

Am Sonntag, 6. September, konnten wir mit unseren schon gekauften Tickets endlich zum „Spasskaja Bazhnja Festival“ gehen. Das einzige, was wir darüber wussten war, dass es ein Militärfestival sein sollte. Also ließen wir uns einfach überraschen, für umgerechnet etwa 20 Euro. Das Problem an diesem Abend war: es hörte einfach nicht zu regnen auf. Mit etwa 4 Schichten angezogen haben wir uns dort dann noch eine Art Regenmantel gekauft, der uns im Endeffekt vermutlich vor einer schlimmen Verkühlung bewahrt hat. Es schüttete nämlich WIE AUS EIMERN! 2.5 Stunden sind wir dort gesessen, meine Schuhe waren gefüllt mit Wasser – kaum vorzustellen wie wir ohne diesen Regenmantel ausgesehen hätten. Das Festival selbst war wahnsinnig cool! Vergleichbar mit einem Militärmusikfestival bei uns, bei dem z.B. die persönliche Militärkapelle von Putin, die nationale Polizeimusik Italien, Heeresmusikkapelle Pakistan, Kazachstan, Slovenien, etc. aufgetreten sind. Ganz witzig war allerdings die Situation, als die slovenische Kapelle zu spielen begonnen hat, und ich mich beinahe in einem Bierzelt in Österreich befinden hätte können.


Am Ende der Show gabs ein riesigies Feuerwerk hinter der Basiliuskathedrale, ein krönender Abschluss und die 20€ allemal wert. (Auch wenns ohne Regen vermutlich noch etwas netter gewesen wäre)

Spasskaja Bazhnja Festival
Spasskaja Bazhnja Festival

Und seit Montag laufen endlich unsere Sprachkurse! An dieser Fakultät belege ich die Kurse ‚Grammatik‘, ‚Sprachpraxis‘ und ‚Sprache der Massenmedien‘. Bis jetzt wirken alle Kurse sehr interessant aber auch fordernd. Die Vorlesungen mit den russischen Studenten muss ich mir noch weiter einteilen, bis jetzt besuche ich die Vorlesungen mal um einen Eindruck zu bekommen. Das „Online-Vorlesungsprogramm“ der Uni ist da etwas verwirrend und braucht auch seine Zeit, sich damit zurecht zu finden.

Am Mittwoch waren wir in einer Bar etwas abseits vom Studentenwohnheim. Unter der Woche gibt es eine Aktion, bei der man für 1000 RUB etwa 5 Cocktails und 15 Mini-Cocktails à Shots bekommt. Gute Aktion für gute Studenten denk ich jetzt mal 🙂

Ich möchte auf jeden Fall noch nach Kazan und Sotschi fahren, ein Flug nach Sotschi und zurück kostet gerade mal etwa 110€, das muss ich ja fast ausnutzen in den nächsten Monaten 🙂

пока, пока друзья!

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