Transsib-Stopp #3: Jekaterinburg

Am Dienstag Mittag kamen wir in Ekaterinburg an, in der Hauptstadt des Urals. Viel wussten wir noch nicht über diese Stadt, wussten lediglich, dass wir dort drei Tage verbringen würden. Bei +32 Grad fanden wir auch relativ schnell den Weg zu unserem Hostel. Valerij, der Betreiber dieses Hostels zeigte uns gegen 14 Uhr unser Zimmer im Art Hostel Na Bankovskij und wir waren überrascht und verblüfft zugleich: das Zimmer war zwar gerade mal 12qm groß, hatte aber Fernseher, Balkon und für uns Herumreisenden ganz wichtig: ausreichend Steckdosen. 🙂 Ich kann gar nicht oft genug sagen, wie oft wir diese brauchen und einfach nicht haben. Alle Züge, mit denen wir bis jetzt gefahren sind, hatten alle keine Steckdosen am Platz. Eine einzige Steckdose bei den Toiletten reicht nicht für 52 Reisende im Wagon, das ist uns schnell klar geworden.

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Zimmer mit Balkon 🙂

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Nach einigem Herumsuchen wollten wir zur Grenze Europa-Asien, die in der Nähe von Ekaterinburg verläuft. Ein Monument sollte dort stehen,  das wir gerne ansehen wollten. An der zentralen Busstation sagten wir, wir wollen zur Grenze Europa-Asien und bekamen auch gleich ein Ticket ausgestellt zur Station „Kenping“. Auch das Internet bestätigte, dass der Bus Richtung Monument fährt, nur die genannte Station konnten wir nicht daneben finden. Wir vertrauten in das Wissen der Lokalen und fuhren mit dem Bus. Während der Fahrt lokalisierten wir das Monument immer auf Google Maps, je näher wir dem Monument kommen sollten, desto weniger stieg der russische Busfahrer vom Gas.

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Bus ins Irgendwo

Und vorbei waren wir. Was war das? Wir sollten ja beim Monument aussteigen? Die Mitfahrenden meinten, unsere Station sei noch etwa 10-15min weiter mit dem Bus. Jetzt waren wir erst recht gespannt, wohin uns die Fahrkartenverkäuferin hingeschickt hat. Es erwartete uns: ein Badeparadies. Laute Musik, Badesee, Grillerei, Hotels und Natur pur. Der ganze Spaß trug den Namen „Europa-Asien“ – so schnell kann Verwechslung gehen. Man sucht ein Denkmal und findet fälschlicherweise einen Badetraum. Da wir aber weder mit Bikini noch mit Handtuch ausgestattet waren, wie denn auch, so war es für uns in diesem Moment ein BadeALPtraum 😀 nur die Beine konnten wir etwas ins Wasser baumeln lassen, während alle anderen bei 35° im angenehmen See badeten. Wir merkten uns den Ort, vielleicht würden wir ja nochmal herkommen – die einzigen Touristen wären wir hier auf jeden Fall, denn hierhin kann man nur unabsichtlich finden. Hätten wir genau das gesucht, wären wir bestimmt wieder wo anders gelandet 😀

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Badeparadies (wenn man Badesachen dabei hat natürlich)

Bei der Rückfahrt konnten wir das Monument zumindest aus dem Fenster kurz erkennen. War auch ganz nett, mit unserer neuen Entdeckung waren wir aber weitaus zufriedener 🙂

Am Nachmittag spazierten wir dann noch durch die Stadt, und was auf der Stadtkarte wie 20 Min Fußweg aussah, stellte sich als 60min Marsch heraus. Wir kamen an einem kleinen Friedhof an, der keinem unserer Friedhöfe ähnelte. Zwischen den wuchernden Gewächsen sahen wir kleine Stäbe, farbige und rostige, Schilder und andere Zeichen, die signalisierten, dass dort Gräber waren. Auf jeden Fall interessant auch so etwas gesehen zu haben. Wir haben uns auch erlaubt dort Fotos zu machen, Gräber haben wir aber dafür keine ausgeraubt.

Die Kathedrale am Blut (Храм на крови) ist nur etwa 25min Fußweg entfernt und ist eine neu errichtete Kirche. Und zwar befindet sie sich auf jenem Platz, wo 1918 im Zuge der Oktoberrevolution die gesamte letzte Zarenfamilie um Nikolai II ermordet wurde. Im Sonnenuntergang konnten wir die Kirche sogar von ihrer schönsten Seite sehen.

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Kirche am Blut in Jekaterinburg

Im abendlichen Ekb saßen wir auch noch, wie etwa 50 andere, am Ufer des durch die Stadt fließenden Flusses und taten das, wofür ein Bekannter in Moskau sogar von der Polizei mitgenommen wurde: wir tranken ein alkoholisches Getränk in der Öffentlichkeit. 😮 So viele Menschen waren um 23.00 Uhr noch unterwegs, genossen die noch warmen Temperaturen, wir hatten immerhin noch etwa 28 Grad um diese Zeit. Wirklich wunderbar.

Der letzte Tag in Ekaterinburg sollte der heißeste werden – bis zu 38° kletterte die Temperaturanzeige hinauf. Weil wir ja am Vortag zufälligerweise einen Geheimtipp entdeckt hatten, fuhren wir ein zweites Mal 60min aus der Stadt hinaus zum Baderesort (Diesmal alles mit Absicht) und verbrachten ein paar wenige Stunden dort am See. Es gelang uns kaum zu glauben, dass wir im Ural bei über 35° Lufttemperatur in einem Natursee baden konnten. Damit uns die ganze Situation wieder etwas realer vorkommen sollte, zog kurzfristig ein Unwetter auf und ein kurzer Platzregen ließ uns zum Bus laufen. An dieser Stelle hätten wir auch gerne ein eigenes Auto gehabt, mit dem wir ganz einfach verduften hätten können. Aber wir machten uns wie schon gewohnt auf, um an der Bushaltestelle einen Bus herbeizuwinken.

Der Bus ging direkt zum Bahnhof, wo wenig später schon unser Zug Richtung Omsk abfahren sollte. Eine riesige Lok fuhr auf den Bahnsteig ein, richtig urig kam mir das vor. Richtig urig war sie auch drinnen, eine Toilette mit Pedal statt Spülung. Einmal das Pedal gedrückt und – plumps – alles landet auf den Gleisen. Vermutlich auch der Grund, warum es gewisse Zeiten gibt, zu denen die Toilette versperrt bleibt. Alles hat hier seine Gründe 😉

Von Ekaterinburg ging es wieder im offenen Wagon nach Omsk, fast 30° hatte es im Inneren und wirklich schwer taten wir uns in dieser Nacht, den Schlaf zu finden. Nicht nur, dass der Zug regelmäßig Fahrgäste auch nachts zusteigen ließ, auch die drückende Hitze im Wagon ließ uns auf unseren (fix nicht mal) 90cm Betten nicht schlafen. Der nächste Tag sollte in Omsk verbracht werden, bevor es am Abend weiter nach Tomsk gehen sollte. Mittlerweile hatte wir in EKB +2h Zeitunterschied zu Moskau und +3h zu Wien. Die Tour in den Osten und gegen die Zeit geht weiter. 🙂

Alles Liebe aus dem Osten :*

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Kupe Kazan – Ekb
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Flussufer Ekb
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Spaziergang am Fluss 🙂
dav
Friedhof mal anders
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Das Grab eines ehemaligen Offiziers, scheinbar.
sdr
Denkmal den Verstorbenen im Afghanistankrieg und in Tschetschenien.
mde
Ekb am Abend ❤

sdr

 

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2 Gedanken zu “Transsib-Stopp #3: Jekaterinburg

    1. Hallo, der Badesee war an der Straße nach dem Zeichen der Grenze Europa-Asien, er heißt ‚Кемпинг Европа Азия‘ und ist mit dem Bus von der zentralen Busstation zu erreichen! Man fährt aber schon fast ne Stunde raus 🙂

      Europe Asia
      27-й км Ново-московский тракт, Yekaterinburg, Sverdlovskaya oblast‘, Russland, 623148
      +7 343 345-85-99

      https://goo.gl/maps/oZEHwdDQ9B62

      Liken

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